Family Life

Warum ich meine Kinder nicht gleich behandle und warum genau das total gerecht ist

Letzte Woche wollten die Kinder im Baumhaus übernachten. Im ersten Moment hatten wir Eltern nichts dagegen und so fingen die drei sofort an, die Schlafplätze zu verteilen und zu diskutieren, wer in der Mitte und wer auf welcher Seite schlafen sollte. Leider fiel uns erst danach ein, dass am nächsten Tag für den Großen eine Mathearbeit anstand und die Kleinste für ihren Kindergartenausflug besser auch ausgeschlafen sein sollte. Die beiden waren einverstanden, die Baumhausübernachtung auf das Wochenende zu verschieben, die Mittlere allerdings fand das nun total ungerecht. Aus ihrer Sicht sprach ja auch wirklich nichts gegen eine kurze Nacht unter der Woche. Im Gespräch diskutierten wir hin und her und fanden schließlich als Lösung, dass sie auf dem Balkon übernachten konnte. (Um 22 Uhr wurde es ihr dort allerdings zu langweilig und sie zog freiwillig in ihr weiches Bett um)

Gerechtigkeit unter Geschwistern

“Er hat mehr”, “Sie durfte länger, das ist unfair”, “Mein Stück ist größer” – unter Geschwistern ist ein ständiger Vergleich so normal wie nervenaufreibend. Der Hinweis darauf, dass beide Kuchenstücke genau gleich groß sind, ist da wenig hilfreich. Stattdessen frage ich lieber: “Möchtest du noch ein Stück?” Denn es ist für jeden genug da, und dass der Große mehr verdrücken kann als seine kleine Schwester, ist ja auch klar. Der eine hat größeren Hunger als der andere, dem Mädchen schmecken die Nudeln mit mehr Käse und die Kleine mag gar nicht so viele Süßgkeiten essen wie die anderen Kinder. Ich schaue auf den individuellen Bedarf, und jedes Kind bekommt so viel es braucht. Oft regeln die Kinder gefühlte Ungerechtigkeiten auch unter sich: wer noch mehr Süßkram in seiner Dose hat, gibt den anderen meistens freiwillig etwas ab! Dass das kleinliche Aufrechnen und dem anderen bloß nicht mehr zu gönnen, überhaupt nicht glücklich macht, müssen viele Kinder und Erwachsene (wieder) lernen. Wenn jeder auf seine Bedürfnisse schaut, geht es allen gut.

Beim Frühstück gab es regelmäßig Streit darum, wie viele Löffel Kakao aufs Müsli geschaufelt werden dürfen – seitdem jeder der drei sein eigenes Glas hat, teilen sie es sich so ein, wie es für sie am besten schmeckt. Und sich noch etwas aufzuheben hat plötzlich auch seinen Reiz. Auch bei der Exklusiv-Zeit gucke ich nicht auf die Uhr, sondern schaue nach dem Bedarf. Der Große will abends noch länger draußen spielen oder bei seinem Freund sein und möchte hauptsächlich in Ruhe gelassen werden, während die Kleine heute besonders viel vorgelesen bekommen möchte, danach kann ich mir Zeit für die Mittlere nehmen – so viel sie braucht.

gleichberechtigung-gerechtigkeit

Im Wunschkind-Buch habe ich zum Abwägen der Bedürfnisse vieler Familienmitglieder den schönen Vergleich mit dem Kochen eines großen Menüs gelesen:

Man hat mehrere Pfannen und Töpfe auf dem Herd und immer im Blick, in welchem man gerade rühren muss, damit nichts anbrennt. Man schneidet Gemüse, gibt Salz hinzu, stellt die Hitze niedriger, sodass am Ende alle Gerichte gleichzeitig fertig werden. Auf sich selbst achtet man natürlich auch: Pausen, Händewaschen oder zwischendurch einen Schluck Kaffee trinken. Mit ein bisschen Routine ist Kochen nicht stressig, sondern sogar entspannend. Genauso ist es mit dem Abwägen von Bedürfnissen der Familienmitglieder.

In diesem Sinne wünsche ich gutes Gelingen beim Kochen!

PS: Zum “gerechten Verteilen” unter Geschwistern habe ich ein lustiges Video im Blogartikel “Gute Geschwister streiten immer” verlinkt.

Erzähl doch mal, wie es bei euch funktioniert, am besten in der Facebook-Gruppe! Wir freuen uns auf dich!

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