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Gastartikel Stiefmutterblog – Sommerferien

Sommerferien – eine Zeit voller Abenteuer, Erlebnisse, Sonne, Eis und Spaß. Allerdings auch eine Zeit voller Stress, Absprachen und Erwartungen, die mehr oder weniger gut erfüllt werden. Je nachdem, in welchem Bundesland ihr wohnt, habt ihr einen Teil der Ferien vielleicht schon hinter euch, steckt mitten in den Urlaubsvorbereitungen oder freut euch, dass es in ein paar Wochen so weit ist. Es lohnt sich auf jeden Fall, neben dem Packen des Koffers und der Reiseapotheke auch auf die möglichen zwischenmenschlichen Probleme vorbereitet zu sein. Warum ist das so wichtig?

Ehe-Statistik: Nach den Ferien besonders viele Scheidungen

Vor zwei Jahren wurde in den USA eine Studie veröffentlicht, die belegt, dass besonders viele Scheidungen nach den Sommer- oder Winterferien eingereicht werden. Als Erklärung dafür sehen die Forscher den besonderen Stress in diesen Wochen. Hohe Erwartungen werden enttäuscht und Probleme in den Beziehungen treten deutlicher zutage. Viele Paare hoffen, dass sich ihre Beziehungsprobleme in dieser Zeit lösen lassen, allerdings ist oft das Gegenteil der Fall. Über unterschiedliche Erwartungen und Wünsche wird oft nicht ausreichend gesprochen, manchmal werden Kompromisse eingegangen, die im Grunde nicht wirklich zufriedenstellend sind. Ein weiterer Grund könnte auch sein, dass man sich in dieser Zeit noch zusammennimmt – der Kinder wegen und um ihnen einen letzten schönen Urlaub zu ermöglichen.

Welche Probleme können auf dich zukommen?

Puh, das ist eine traurige Erkenntnis. Diese Zahlen sollten dir aber keine Angst machen, sondern dich eher motivieren, nicht in diese Falle zu tappen. Denn der erste Schritt zur Lösung eines Problem ist ja, sich überhaupt darüber bewusst zu sein, denn dann kann man entsprechend gegensteuern. Aus der Studie kennen wir schon die größten Stressfaktoren: hohe Erwartungen, faule Kompromisse, keine gute Kommunikation. Besonders für Patchworkfamilien kommen zum “normalen” Urlaubsstress mit Packen, langen Autofahrten, motzenden Kindern und genervten Eltern noch weitere Problemfelder dazu: Der am häufigsten genannte Stressfaktor ist die Terminkoordination, also die Absprachen mit dem anderen Elternteil des Bonuskindes und die Aufteilung und Einigung über die einzelnen Wochen in den Ferien. Auf Platz zwei kommt die Problematik, die unterschiedlichen Wünsche aller Mitglieder einer großen Patchworkfamilie unter einen Hut zu bekommen.

Was kannst du dagegen tun?

Es ist eine Binsenweisheit, aber ich sage es an dieser Stelle trotzdem noch einmal: Du kannst das Verhalten von anderen Menschen nicht ändern. Die Kinder wollen nicht am Ferienprogramm teilnehmen? Die Kindsmutter ist nicht zur vereinbarten Zeit vor Ort? Dein Mann weigert sich, in der Ferienwohnung auf dem Sofa zu schlafen? Du kannst es nicht ändern! Vergeude nicht deine Energie darauf, von deinen Familienmitgliedern Dinge zu fordern, zu denen sie nicht bereit sind. Selbst wenn du sie dazu bringen kannst, deinen Forderungen zu entsprechen, wird auf jeden Fall die Stimmung darunter leiden. Eine vergiftete Atmosphäre trägt nicht zur Erholung bei, und dafür ist doch Urlaub doch eigentlich gedacht. Maulende Kinder am Frühstückstisch sind schlimmer als bis mittags schlafende…

Tipp Nr. 1 – Sorge gut für dich selbst

„Im Falle eines Druckverlustes fallen automatisch Sauerstoffmasken aus der Kabinendecke. In diesem Fall ziehen sie bitte eine der Masken zu sich heran und drücken Sie die Öffnung fest auf Mund und Nase. Danach helfen Sie bitte mitreisenden Kindern.“

Das wichtigste Wort in diesem Ansagetext ist “danach”: Erst muss ich für mich selbst sorgen, danach kann ich wieder für die Kinder oder andere Menschen da sein. Wenn mein Tank leer ist, komme ich nicht mehr voran. Erst wenn meine Schale gefüllt ist, kann sie überfließen und andere beschenken. “Wenn es mir gut geht, geht es allen gut.” Wenn du merkst, dass dein Akku alle ist, dass du kurz davor bist zu explodieren, weil alles zu anstrengend ist – atme tief durch! Nimm dir eine kurze Auszeit und frag dich, was brauche ich jetzt? Und welche Strategien kann ich in diesem Moment anwenden, um mir etwas Gutes zu tun. Vielleicht hilft dir mein Arbeitsblatt “Mein Glas der Selbstfürsorge” (du bekommst es bei der Newsletter-Anmeldung auf meinem Blog).

Tipp Nr. 2 – Lass jedem Familienmitglied möglichst viel Freiraum

Als Hessen hatten wir dieses Jahr den frühesten Ferienstart. Unser gemeinsamer Urlaub mit Bonuskind hat also schon stattgefunden. Gegen meine Befürchtungen war es sehr entspannt. Mit dem Großen gab es kaum Reibungspunkte, er stand früh auf, war praktisch den ganzen Tag auf Achse, wir trafen uns zum Essen, bevor jeder wieder seiner Lieblingsbeschäftigung nachgehen konnte. Keine Zwänge, kein Zeitdruck, kein Kampf, keine Aufgaben, die erledigt werden mussten. Und gerade deswegen nahm er zu unserer Überraschung freiwillig am Gemeinschaftsprogramm teil! Weil er es wollte, weil er es frei selbst entscheiden konnte, weil es keine Aufforderung dazu gab. Ich bin oft dreimal täglich den halben Kilometer ins Nachbardorf gelaufen – und habe einfach gefragt: wer möchte mitkommen? Es gab auch hier keinen Druck, sondern Freiheit. Ich konnte gehen, wenn ich es wollte, ganz ohne schlechtes Gewissen, wie oft zu Hause, wenn ich etwas für mich selbst machen möchte. Jeder hat für sich selbst gesorgt und das getan, was sich für ihn in diesem Moment gut angefühlt hat. Es gab Zeit in der Familie, exklusive Momente mit jedem Kind, Zeit zu zweit und Zeit für sich alleine – alles in Balance.

Tipp Nr. 3 – Genieße den Augenblick und die kleinen Freuden

Die wahre Lebenskunst besteht darin, im Alltäglichen das Wunderbare zu sehen.

Dieses Zitat von Pearl S. Buck hatte ich kurz vor dem Urlaub gelesen und mir vorgenommen, es bewusst umzusetzen. Statt großer Pläne und viel Programm, zu dem man die anderen oft mehr drängen und überreden muss als dass man es tatsächlich genießen kann, waren wir die ganze Woche in dem gleichen kleinen Dorf. Statt Sightseeing gab es Zeit zum Lesen, statt steifen Abendessen in Restaurants machten wir lustige Picknicks unter freiem Himmel. Vor ein paar Wochen stieß ich auf den Satz “Du hast nur 18 gemeinsame Sommer.” Ob diese Zahl jetzt in Stein gemeißelt ist oder nicht, sie brachte mich zum Nachdenken. 18, das ist nicht besonders viel, 4 davon sind in meinem Fall schon vorbei. Wie lange wird der Große noch mit uns mitfahren wollen? Ja, es mag stressige Momente geben, nervigen Organisationsaufwand – aber was bleibt, sind die Erinnerungen. Ich wünsche dir möglichst viele davon!

Noch eine Bemerkung zum Schluss – einen Vorteil hat das Patchwork-Leben immerhin: Für die andere Hälfte der Ferien ist meistens der andere Elternteil zuständig! In diesem Sinne wünsche ich euch allen schöne Ferien!

Wenn du mehr über unsere kunterbunte Patchworkfamilie lesen möchtest, komm auf meinen Blog. Wenn du dich über Tipps für eine harmonisches und glückliches Familienleben austauschen möchtest, bist du herzlich willkommen in unserer Facebookgruppe.

Den original Artikel auf dem Stiefmutterblog findet ihr hier.

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