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Am nächsten Sonntag ist es wieder so weit. Die Blumenläden haben Hochkonjunktur, es werden kistenweise Pralinen verkauft, manchmal auch Haushaltsgeräte oder Schmuck. Je nachdem. Oder Bilder gemalt, Sträuße gepflückt und Gedichte aufgesagt: Es ist der 2. Sonntag im Mai, der Muttertag.

Muttertag Blumenbild

Wikipedia sagt darüber:

Der Muttertag ist ein Tag zu Ehren der Mutter und der Mutterschaft. Er hat sich seit 1914, beginnend in den Vereinigten Staaten, in der westlichen Welt etabliert. Im deutschsprachigen Raum und vielen anderen Ländern wird er am zweiten Sonntag im Mai begangen. (…) Der Muttertag in seiner heutigen Form wurde in der englischen und US-amerikanischen Frauenbewegung geprägt. (…) In Deutschland wurde der Muttertag 1922/23 vom Verband Deutscher Blumengeschäftsinhaber mit Plakaten „Ehret die Mutter“ in den Schaufenstern etabliert und – betont unpolitisch – als Tag der Blumenwünsche gefeiert. (…)

Muttertag – ein Tag wie jeder andere?

“Ich brauche so einen Tag nicht”, sagen viele Frauen. Es sei doch viel wichtiger, sich zwischendurch zu zeigen, dass man sich lieb hat. Und überhaupt, bis auf den Blumenstrauß sei es ein Tag wie jeder andere (wie auch diese Graphik zeigt)

Muttertag icons

Quelle: http://debeste.de/10617/Alltag-Muttertag

Trotzdem und auch wenn man sich rational überlegt, dass man keine Blumen braucht – jedenfalls nicht an einen bestimmten Tag, der von der Blumenindustrie festgelegt wurde – irgendwie ist er dennoch präsent, dieser Tag. Und in Patchworkfamilien hat er nochmal eine besondere Konnotation. Was ist mit Dir als Stiefmutter? Das Geschenk, das Dein Bonuskind in der Schule gebastelt hat, will er natürlich der “richtigen” Mutter schenken – und das ist ja auch völlig in Ordnung.

Welche Bedürfnisse erfüllt der Muttertag?

Warum gibt es da dieses Gefühl im Inneren? Worauf weist das hin? Ein unerfülltes Bedürfnis… Die Frage ist ja immer: Worum geht es hier eigentlich? Der Blumenstrauß selbst oder auch das kleinere oder größere Geschenk sind ja nicht das, worauf es ankommt. Vielmehr geht es um Wertschätzung, Zugehörigkeit oder auch den Ausdruck von Liebe. Gerade für Dich als Stiefmutter, die an diesem Tag leer ausgeht, kann es einen Stich geben.

Das Gefühl wird von Deinen Gedanken ausgelöst

Du bist verletzt, weil Du den Gedanken hat, dass Du etwas bekommen solltest. Oder den Gedanken, dass Du doch nicht ganz so wichtig bist. Dass Du weniger wertvoll bist. Oder die Kinder trotz allem nicht die eigenen Kinder sind. Dass du nicht die Anerkennung bekommst, die Dir zusteht. Diese Gedanken kannst Du wahrnehmen und weiterziehen lassen… Du musst sie nicht glauben und Deine Gefühle davon beeinflussen lassen. Die Erkenntnisse, dass die Gefühle nicht von der Situation selbst sondern von Deinen Gedanken über die Situation beeinflusst werden, gibt Dir die Möglichkeit, aktiv einzugreifen und zu beeinflussen, wie Du Dich fühlst.

Das Gefühl weist auf ein Bedürfnis hin

Du kannst diese Gefühle, die in dir auftauchen, eben als wichtige Warnleuchte dafür nehmen, dass es Bedürfnisse in Dir gibt, die nicht erfüllt sind. Ich habe ja oben schon drei genannt, die es möglicherweise sein können: Wertschätzung, Zugehörigkeit oder Liebe. Vielleicht ist es bei Dir aber auch ein ganz anderes. Erst wenn Du das für Dich klar hast, kannst Du nach anderen Strategien suchen, die Dir das Bedürfnis auch erfüllen können. Und zwar unabhängig von der “Lieblingslösung”, ein Geschenk zum Muttertag zu bekommen.

Wie kommst du diesem Bedürfnis nun auf die Spur?

Frag dich doch mal: Was würde sich für dich erfüllen, wenn du ein Geschenk zum Muttertag bekommen würdest? Und es ist tatsächlich so, dass durch ein Geschenk dieses grundlegende Bedürfnis erfüllt würde? Immerhin sagen ja viele Frauen, dass ihnen das gar nicht wichtig ist. Vom Kopf her weißt Du, dass es ein “Tag der Blumenindustrie” ist. Oder geht es dir mehr um das Außen? Einen Vergleich mit der leiblichen Mutter? Diesen Blick nach innen kann Dir keiner abnehmen.

Mutter vs. Stiefmutter

Die Rolle der Stiefmutter auszufüllen, ist eine schwierige Angelegenheit. Du willst die leibliche Mutter ja gar nicht ersetzen (und ihr den Muttertag auch nicht streitig machen), gleichzeitig bist Du eine wichtige Person im Leben Deines Bonuskindes. Wie alle Menschen hast Du ein Bedürfnis nach Wertschätzung. Danach, dass andere bemerken, wie wertvoll Du für sie bist. Wenn dieses Bedürfnis grundsätzlich erfüllt ist – an anderer Stelle, zu einem anderen Zeitpunkt, von einer anderen Person oder durch eine andere Aktivität – ist es an genau diesem Punkt nicht mehr so wichtig.

Stiefmuttertag – “Stepmom-Day” am 3. Sonntag im Mai

Einen Weg aus dem Dilemma hat Lizzie Capuzzi für sich gefunden. Das kleine Mädchen aus Pennsylvania liebte ihre Stiefmutter von Herzen, aber den Muttertag verbrachte sie immer mit ihrer leiblichen Mutter. Um Joyce trotzdem ihre Zuneigung zu zeigen, erklärte Lizzie den Sonntag nach Muttertag kurzerhand zum „Stepmom-Day“. Im Jahr 2000 schrieb sie im Alter von neun Jahren einen Brief an einen Kongress-Abgeordneten. Sie schlug vor, den Stiefmutter-Tag landesweit als Feiertag zu deklarieren. Seitdem ist dieser Tag in den USA ein anerkannter Aktionstag.

Stiefmuttertag Bild

Spezielle Grußkarten für Stiefmütter

Ein extra Stiefmutter-Tag ist natürlich auch wieder für die Blumen-und Kartenindustrie eine lohnende Angelegenheit. Denn Patchworkfamilien stellen in den USA die häufigste Familienform dar. Das zeigt sich auch darin, dass beim Grußkartenhersteller Hallmark nur noch 50% der Muttertagskarten speziell für Mütter sind. Der Rest sind Karten für Großmütter, Stiefmütter, “Mutter meines Kindes”, “Like-a-mom” oder „Dad who was a mom to me”.

Karte “For my Stepmom”

 

Kartenbeispiel “To my Bonus Mom”

Stiefmuttertag – wozu?

In Deutschland ist diese Idee bisher noch nicht wirklich angekommen. Wikipedia hat keinen Eintrag zu einem Stiefmuttertag und Google listet vor allem zwei Bücher mit diesem Titel auf. Wie so oft ist es zunächst eine individuelle Entscheidung. Ob ein Stiefmuttertag für Dich eine Möglichkeit ist, mit dieser Situation umzugehen, kannst Du nur selbst abschätzen. Generell davon zu sprechen, welche Gefühle in Dir als Stiefmutter lebendig sind, kann nicht falsch sein. Solange kein Vorwurf darin enthalten ist. Es geht schließlich um Wertschätzung – zumindest war das die ursprüngliche Idee…

Übrigens…

In den USA werden die finanziellen Aufwendungen für den Muttertag nur durch Weihnachten übertroffen. Für den Muttertag werden im Blumenhandel die größten Umsätze des Jahres (vor dem Valentinstag) erzielt. Entgegen der ursprünglichen Idee, den Müttern einen Tag im Jahr zu widmen, an dem sie für all ihre Mühen geehrt wurden, entwickelte sich der Muttertag mehr und mehr zu einem reinen Fest der Geschenke. Die Frauenrechtlerin und Begründerin des Muttertags Anna Jarvis wollte den Muttertag daher sogar wieder gerichtlich verbieten lassen, verlor aber gegen die Blumenindustrie. Wie nun jede Familie selbst damit umgeht, ob und wie sie feiert, ist ja eine individuelle Entscheidung.

Ich sage meinem Bonuskind, dass das in der Schule selbstgebastelte Geschenk natürlich für seine Mama ist und dass ich mich immer über gepflückte Gänseblümchen freue. Vielleicht bekomme ich dann zweimal Blumen. Schließlich bin ich Mutter und Stiefmutter…

Wie geht es Dir mit diesem Thema? Feiert ihr Muttertag? Oder Stiefmuttertag? Oder beides? Schreib mir das gern in die Kommentare.

Merkst Du, dass die Gedanken Dich doch eher negativ überrollen und findest Du keinen Weg alleine heraus? Dann melde Dich bei mir. Ich unterstütze Dich gerne!