Ich bin Marita, bin 36 Jahre alt und habe drei Kinder. Der Große ist neun, die beiden Mädchen fünf und vier Jahre alt. Von außen betrachtet sind wir eine ganz “normale” Familie. Der Große wohnt aber erst seit einem knappen Jahr bei uns, vorher lebte er bei seiner Mutter. Wir sind also eine Patchwork-Familie, was ja auch fast schon “normal” ist. (Je nach Quelle leben ca. 10 % der Familien in Deutschland als Patchwork, das sind ca. genauso viele wie Alleinerziehende.) Per Definition sind wir eigentlich eine “Stief-Familie” und ich die “Stiefmutter”, wobei ich diesen Begriff aufgrund der negativen Zuschreibung in diversen Märchen gar nicht mag. Jesper Juul hat den Begriff “Bonuseltern” geprägt, allerdings hat sich dieser noch nicht weit genug durchgesetzt. Daher nehme ich das bekanntere “Patchwork”, was zu unseren bunt verwobenen Haufen auch gut passt.

Meine Bauchkinder sind zwei Mädchen, die zwar nur ein Jahr Altersunterschied haben, charakterlich aber verschiedener nicht sein könnten. Die fünfjährige Lisa ist eher zurückhaltend, weiß aber genau, was sie will und steht dafür ein. Die kleine Anna ist ein Wirbelwind, unglaublich laut, fröhlich und wild. Tom kenne ich seit er 1,5 Jahre alt ist. Damals bin ich nämlich mit seinem Vater zusammengekommen, und Tom hat jedes zweite Wochenende bei uns verbracht. Im Nachhinein betrachtet und mit der Erfahrung von eigenen Kindern sehe ich das durchaus kritisch, er war ja noch so klein… Aber später mehr dazu! Jedenfalls haben wir eine Beziehung zueinander aufgebaut, die sich dadurch intensiviert hat, dass Tom letzten Sommer zu uns gezogen ist (und jetzt jedes zweite Wochenende zu seiner Mutter fährt).

Der Einzug bei uns hat unser Alltagsleben ziemlich durcheinander gewirbelt. Plötzlich hatten wir ein Schulkind, das die Problemfelder Hausaufgaben, Klassenlehrer und Hortbetreuung mit sich brachte. Ich finde es immer wieder erstaunlich, wie anders die Stimmung ist, wenn ein Kind mehr mit im Haus ist. Ich habe es mir mittlerweile mathematisch so erklärt, dass ja nicht nur eine Person mehr da ist (also +1 Person), sondern dass diese Person zu jeder anderen Person in Beziehung steht (also +4 Zweier-Beziehungen) und dass zusätzlich mit jeder weiteren Person Dreier- und Viererbeziehungen entstehen, die eine ganz eigene Dynamik entwickeln. Das erklärt das Chaos und den Trubel rein rechnerisch, in diesem Blog versuche ich den Trubel mit meinen eigenen Worten zu beschreiben.