Kennt ihr die “3 Affen”? Der erste hält sich die Augen zu, der zweite die Ohren und der dritte den Mund. Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen. Mittlerweile gibt es sie ja sogar schon als Emojis und oft bekomme ich den Nichts-sehen-Affen geschickt, wenn jemandem etwas peinlich ist, weil er vielleicht etwas vergessen hat, so nach dem Motto “du siehst mich nicht” wie kleine Kinder beim Versteckspielen. Allgemein werden die Affen in ihrer Aussage “Nichts Böses sehen, nichts Böses sagen, nichts Böses hören” in der westlichen Welt negativ interpretiert, als Zeichen für mangelnde Zivilcourage. In Japan haben sie allerdings eine ganz andere Bedeutung: Weise über Schlechtes hinwegsehen. 

Leben ist das, was passiert, während du dabei bist, andere Pläne zu schmieden (John Lennon)

Am Montagmorgen wachte Lisa mit einem zugeschwollenen Auge auf. Als ich wenig später Tom weckte und er ähnlich schlimm aussah, wusste ich, ich muss meine Tagesplanung aufgeben. Statt am Vormittag zu arbeiten stand jetzt als erstes der Kinderarzt auf dem Programm. Termin um 9:30 Uhr, vorher ein paar Runden Uno, dann auf zum Bus. Beide Kinder waren total aufgedreht, voller Energie und Freude darüber, dass Schule bzw. Kindergarten ausfielen. Bereits an der Bushaltestelle tobten sie wie wild herum, hüpften von den Wartebänken und wollten auf dem Bordstein balancieren. Ich war genervt – schaffte es aber, die Verantwortung dafür zu übernehmen und nicht die Kinder anzumeckern. Mein Bedürfnis nach Effektivität (in dem Fall, meine Arbeit zu erledigen, wie ich es mir vorgenommen hatte) wurde in dem Moment nicht erfüllt. Ich bat die Kinder darum, sich hinzusetzen, aber sie sagten nur “Lass uns doch einfach in Ruhe spielen!”

Zum Glück kam der Bus…

Nachdem der Kinderarzt nur eine allergische Reaktion diagnostiziert hatte, vom Schwimmunterricht allerdings abgeraten hatte, stellte ich mich auf einen Tag mit beiden zu Hause ein. Meine Idee war, dass sie sich auf dem Spielplatz austoben, bevor wir wieder nach Hause fahren, wo sie friedlich zusammen spielen, so dass ich dort ein paar Stunden am Computer arbeiten kann. Den Spielplatzbesuch fanden die beiden gut, von dort aufzubrechen allerdings weniger. Am 1-Euro-Laden bestanden sie darauf, ihr Taschengeld in Plastik zu investieren und überhaupt wollten sie Donuts vom Bäcker. Endlich hatten wir es zurück nach Hause geschafft.

Nach dem Mittagessen sagte ich den Kindern, dass ich am Computer arbeiten muss und verschwand tatsächlich für eine gute Stunde in den Keller. (Hier hatten beide also kooperiert und mich darin unterstützt, dass mein Anliegen erfüllt werden konnte!) Ich holte Anna aus dem Kindergarten ab, während die Großen im Garten spielten. Nach einer kurzen Streitphase haben sie sich dann sogar zu dritt zusammengerauft und den ganzen Nachmittag über gespielt. Abends war ich zwar total geschafft, aber glücklich darüber, den Tag gut über die Bühne gebracht zu haben.

Was hat das Ganze mit den Affen zu tun?

Nun, womit haben sich die Kinder den Nachmittag über beschäftigt? Ihr Hauptprojekt bestand darin, den Inhalt der Regentonne in den Sandkasten zu befördern und dabei die komplette Terrasse zu fluten. Aus dem Sand formten sie Matschkugeln, mit denen sie sich und alles, was um sie herum war, abwarfen. Im Kinderzimmer durchwühlten sie sämtliche Verkleidungen und verteilten sie großflächig, um sich dann in Prinzessinnen- und Ninja-Kostümen draußen zu suhlen. Sie sprangen im Matsch herum und liefen danach durchs Haus. Sie legten im größten Dreck alle Badetücher für ein Picknick mit Bananenmilchshake und Schokostreuseln aus. Außerdem nutzten sie fröhlich alle Matchbox-Autos, Fußballkarten, Barbies, Fillypferdchen, Plastikbecher, Zahnstocher, Knöpfe und Perlen, die unser Haushalt zu bieten hat.

Und ich? Ich “schaute weise darüber hinweg”, sah mir das Chaos an und räumte hin und wieder etwas auf, was mich gerade störte. Ich verteilte Küchenrolle, holte Handtücher als Fußmatte, stellte einen Eimer mit Wasser zum Füßewaschen bereit und rief den Papa an, um ihn vorzuwarnen. Ich hatte keine Lust, ihnen das alles zu verbieten, stattdessen fand ich, dass sie erstaunlich gut zusammen spielten, ohne die Kleine auszuschließen, ohne Beleidigungen und durchgehend fröhlich. Es war eine laute und lustige, positive Atmosphäre, was ja ausschlaggebend dafür ist, wie sich die Kinder verhalten und wie entspannt ich selbst bin. Allerdings ist “Atmosphäre” etwas recht Zerbrechliches und kann sich schnell ändern, oft durch eine kleine Aktion oder auch nur ein Missgeschick. Aber die gute Nachricht ist: ich habe es selbst in der Hand! Wenn ich schimpfe oder drohe, kommen wir schnell in eine Abwärtsspirale. “Meckern und Nörgeln ist wie Unkraut düngen.” Ich kann mich dafür entscheiden, auf Kritik zu verzichten und stattdessen meine Aufmerksamkeit auf die schönen Kleinigkeiten und mich selbst legen.

Achtsam für mich selbst sorgen

Und noch etwas ist mir aufgefallen: Wir Erwachsenen wollen oft etwas von den Kindern. Wir fordern: “iss auf”, “kippel nicht”, “zieh dich an”, “beeil dich”, “sei leise”, “sei lieb” – was auch immer. Die Kinder hingegen wollen einfach ihr Ding machen, wie Tom morgens an der Bushaltestelle sagte: “Lass uns doch einfach in Ruhe spielen!” Sie haben verstanden, dass das Zusammenleben am besten funktioniert, wenn jeder für sich sorgt und seine eigenen Bedürfnisse im Blick hat. Und wenn man dann den anderen um etwas bittet, ist eine Bereitschaft da, freiwillig zu kooperieren und zum Wohlergehen anderer beizutragen – so sind wir Menschen! <3

PS: Wie siehst du das? Welches Chaoslevel kannst du hinnehmen, bevor es an deine Grenzen geht? Ich freue mich darauf, mehr von dir zu erfahren – in unserer Facebookgruppe!