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Last Updated on 15. Februar 2022 by Marita

…sie bringen einen zum Weinen?! Das kann sein, aber darauf wollte ich nicht hinaus. Sondern: sie sind in Schichten aufgebaut. Erst wenn die äußeren Schichten abgeschält sind, kann man zum eigentlichen Kernproblem vordringen.

In der Regel möchten wir Menschen und vor allem Kindern helfen, ihre Probleme zu bewältigen. Das gelingt am besten durch Aktives Zuhören. Was ist das eigentlich und wie funktioniert das?

Wem gehört das Problem?

Manchmal kennen Menschen den Kern ihres Problems, haben aber Angst ihn anzuschneiden. Häufiger allerdings wissen sie gar nicht, was sich hinter den äußeren Problemen verbirgt.

Wir sind als soziale Wesen auf Beziehung angelegt und möchten im Allgemeinen mit anderen kommunizieren und uns Hilfe holen. Wenn jemand über ein Problem zu sprechen beginnt, hört man zunächst nur das vordergründige Problem, die äußere Schicht. Daran kann man als Zuhörer „herumdoktern“ und schnell ein Pflaster darauf kleben, aber besonders hilfreich ist ein Gespräch erst dann, wenn der Gegenüber es schafft, zum Kern vorzudringen. Wie gelingt das?

Die drei Stufen des Zuhörens

Gehört das Problem gar nicht uns selbst, sollten wir auch nicht derjenige sein, der es löst. (Nachzulesen im Beitrag „Not my circus, not my monkeys“). Wir können aber unserem Gesprächspartner dabei helfen, selbst eine Lösung herbeizuführen. Vielleicht kennt ihr den Spruch „Gott gab uns nur einen Mund, aber zwei Ohren, damit wir doppelt so viel zuhören wie reden.“ Zuhören ist das Mittel der Wahl, genauer gesagt, Aktives Zuhören. Hierbei gibt es drei Stufen:

  1. Zuhören: sich Zeit nehmen, in die Augen schauen, „aha“, Interesse zeigen.
  2. Verstehen: Den Inhalt der Aussage widergeben, möglichst mit eigenen Worten.
  3. Gefühle verstehen: Das hinter der Aussage liegende Gefühl benennen, dem anderen „aus dem Herzen sprechen“

Beim Aktiven Zuhören geht es also darum, dass ich mich als Empfänger einer Nachricht innerhalb eines Dialogs empathisch in die Situation meines Gegenübers einfühle und dann die gehörte Botschaft mit eigenen Worten noch einmal wiedergebe. Wichtig ist, dass ich dabei nicht lenkend oder wertend eingreife, denn so kann der Sender sein Problem selbständig durchdringen und eine Lösung finden. Das gibt ihm ein gutes Gefühl von Selbstwirksamkeit und auch ein Gefühl der Verbundenheit mit dem Gesprächspartner. Meine Erfahrung zeigt, dass es nicht unbedingt notwendig ist, das Gefühl richtig zu entschlüsseln, es kommt mehr auf das Zuhörenwollen an. Mein Gegenüber sagt dann schon, ob ich mit meiner Einschätzung richtig gelegen habe oder nicht, und nach zwei- oder dreimaligem “falschen Raten” wird meistens eine eigene Konkretisierung vom Sprecher geliefert. Man kann also nichts falsch machen, wenn man aktives Zuhören ausprobiert, allerdings kann man viel durch fast alle sonstigen Kommunikationsarten kaputt machen.

Aktives Zuhören

In seinem Buch Familienkonferenz hat Gordon diese Prozesse genau analysiert und in zahlreichen Beispielen beschrieben. Er nennt hier zwölf Kommunikationssperren:

  1. befehlen, anordnen, auffordern;
  2. warnen, mahnen, drohen;
  3. moralisieren, predigen, beschwören;
  4. beraten, Vorschläge machen, Lösungen liefern;
  5. durch Logik überzeugen, Vorträge halten, Gründe anführen;
  6. urteilen, kritisieren, widersprechen, Vorwürfe machen;
  7. loben, zustimmen, schmeicheln;
  8. beschimpfen, lächerlich machen, beschämen;
  9. interpretieren, analysieren, diagnostizieren;
  10. beruhigen, Sympathie äußern, trösten, aufrichten;
  11. forschen, fragen, verhören;
  12. ablenken, ausweichen, aufziehen

Kommunikationssperren sind also im Grunde genommen alles, was nicht aktives Zuhören ist!

Man tut also gut daran, sich die Technik des Aktives Zuhörens anzueignen und oft zu praktizieren und zu üben. In meinem Leben gab es zum Glück schon mehrere Momente, in denen mir dies gelungen ist und die mich darin bestätigt haben, wie sinnvoll diese Methode ist. Hier ein grob vereinfacht zusammengefasstes Beispiel:

Aktives Zuhören in der Praxis: Ich will aber nicht in den Kindergarten!

Gerade meine große Tochter ist ein kleiner Morgenmuffel, kommt nicht so leicht aus dem Bett und fängt – vor allem montags – oft mit dem Gemecker an: “Ich will aber nicht in den Kindergarten!”

Allzu oft habe ich dann versucht,

  • sie zu motivieren („Es wird bestimmt ganz toll im Kindergarten“),
  • zu drängen („Ich muss doch auch pünktlich im Büro sein“),
  • zu bitten, sich zu beeilen, damit wir pünktlich loskommen, („Na komm schon“)
  • zu beschwichtigen („Der Tag geht doch schnell rum!“)
  • – und diverse andere der zwölf Kommunikationssperren anzuwenden, die uns alle nicht weitergebracht haben.

Bis ich mir endlich einmal die Zeit nahm (eine halbe Stunde ist wirklich sehr viel Investment morgens an einem Wochentag!) und aktives Zuhören praktizierte:

Lisa: “Ich will nicht in den Kindergarten!”
ich: „Aha, du möchtest nicht in den Kindergarten gehen.” (zuhören, Inhalt verstehen)
Lisa: “Ja, der Kindergarten ist doof.”
ich: “Dir gefällt es im Kindergarten nicht.”
Lisa: “Doch, aber ich will nicht hingehen.” (verneinen meiner Interpretation, grundsätzlich gefällt es ihr schon)
ich: “Du willst nie mehr in den Kindergarten.”
Lisa: “Ich will heute nicht in den Kindergarten.” (nicht “nie mehr”, sondern “heute nicht”)
ich: “Du möchtest heute lieber zu Hause bleiben.”
Lisa: “Ja.”
ich: “Heute wird es im Kindergarten doof, weil deine Freundin nicht da ist.” (geratene Begründung, um eine Reaktion zu erhalten)
Lisa: “Ich will meine Freundin treffen, aber du sollst mich vor dem Mittagessen abholen!”
ich: “Das Mittagessen schmeckt dir nicht.”
Lisa: “Ja, heute gibt es Salat und den mag ich nicht und im Kindergarten müssen wir immer alles probieren.”

Aktives Zuhören verändert

Von dem generellen “Ich will nicht in den Kindergarten” sind wir zu einem konkreten Problem vorgestoßen, das jetzt auf verschiedene Arten angegangen werden kann. Meine Tochter fühlte sich ernst genommen und verstanden. Sie hatte vor sich selbst erkannt, worum es ihr ging und konnte nach Lösungen suchen.

Ihren Lösungsvorschlag „vor dem Mittagessen abholen“ konnte ich leider nicht umsetzen. Ich habe ihr vorgeschlagen, mit der Erzieherin zu reden, dass sie keinen Salat essen muss, was sie aber abgelehnt hat. 

Übrigens haben wir diesen Gesprächseinstieg („Ich will nicht in den Kindergarten!“) relativ häufig und es ist interessant, welch unterschiedliche Kernprobleme schon zutage gekommen sind.

In welcher Situation kannst du aktives Zuhören ausprobieren? Was verändert sich dadurch? Schreib es mir in die Kommentare!

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