Oder: Wem gehört das Problem?

Von meinem stressigen Alltag habe ich euch schon erzählt und euer Feedback zeigt mir, dass viele Mamas davon ein Lied singen können. Als Mutter habe ich oft eher die Tendenz, mir zu viele Probleme aufzuladen, schlecht nein sagen zu können und ständig die Welt retten zu wollen. Dabei ist dieses Verhalten gar nicht gesund, und zwar weder für mich selbst, noch für meine Kinder, die doch lernen sollen, selbst Lösungen für ihre Probleme zu finden.

Es lohnt sich daher immer die Frage zu stellen, wem das Problem denn eigentlich gehört.

Wem gehört das Problem?

Das Prinzip der Problem-Eigentümerschaft beschreibt Thomas Gordon ausführlich in einem der ersten Kapitel seines Buches “Famlienkonferenz”. Nachdem das geklärt ist, kann man entscheiden, mit welcher Technik man bestmöglich eine Lösung dafür finden kann. Wenn ich als Elternteil das Problem besitze, trete ich meinem Kind mit der Haltung gegenüber, selbst Hilfe zu benötigen und das Kind darum zu bitten, mich zu unterstützen bzw. etwas für mich zu tun. Wenn es sich aber um ein Problem meines Kindes handelt, kann ich zwar Hilfe anbieten, sollte aber sonst eher zurückhaltend sein.

Toms Zimmer sieht aus “als hätte eine Bombe eingeschlagen”. Sein Problem oder meins? Es stört ihn nicht die Bohne, also ist es mein Problem, und ich bin für eine Lösung verantwortlich. (In diesem konkreten Fall haben wir uns darauf geeinigt, dass das Zimmer tagsüber so wild aussehen kann wie er möchte und ich nichts dazu sage, dafür wird abends vor dem Schlafengehen einmal klarschiff gemacht.)

Lisa hat Streit mit ihrer Freundin, die Regeln im Stuhlkreis sind viel zu streng, die vorhandenen Spielzeuge sind langweilig. Not my circus… Fast alle Probleme, die im Kindergarten auftreten, gehören dem Kind. 

Die gute Nachricht ist: Dadurch gebe ich als Mama einen großen Teil an Problemen, um die ich mich bisher meinte kümmern zu müssen, ab! Und mein Kind lernt dabei nicht nur, für sich selbst zu sorgen, es ist sogar total froh, dass es nicht sofort einen Rat-Schlag (die sind ja bekanntlich auch Schläge) bekommt, am besten noch nach dem Motto “Tja, du kannst es natürlich auch anders machen, aber dann frag mich halt gar nicht erst!”.

Die schlechte Nachricht ist: Dies zu verinnerlichen und zu beherzigen ist nicht leicht, denn schließlich möchte ich meinem Kind doch zu einem möglichst sorgenfreien Leben verhelfen. Ich kenne mich doch aus, ich habe das doch selbst schon durchgemacht, ich weiß doch, wie es besser geht.

Die supergute Nachricht ist: Es gibt einen Weg, wie ich meinem Kind helfen kann, selbst zu einer Lösung zu kommen. Und diese Vorgehensweise stärkt sogar unsere Beziehung und führt dazu, dass die Kinder gern mit mir über ihre Probleme sprechen. Der Trick heißt “Aktives Zuhören“. Wie das genau bei mir und meinen Kindern funktioniert, darüber schreibe ich demnächst mehr…

PS: Zum Thema habe ich noch diesen netten Spruch gefunden 😉
2011: “Nur noch kurz die Welt retten” 
2016: “Ich bin doch keine Maschine”
Tim Bendzko, 31, hat sich überschätzt. 

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