In diesem Video geht es ums Zuhören. Und zwar das Aktive Zuhören. Wie funktioniert das? Wann sollte ich das machen? Und warum?

  • Du lernst den Unterschied zwischen Pseudo-Zuhören und Aktivem Zuhören.
  • Du verstehst die 12 Kommunikationssperren und wie du sie vermeidest.
  • Du erfährst, warum Probleme wie Zwiebeln sind.
  • Und: Du lernst, wie du die Beziehung zu deinem Kind durch Zuhören verbessern kannst.

Wenn Du lieber liest statt zuzuhören, ist dieser Text für Dich 

Heute geht es um das Thema Zuhören. Aber wir fangen anders an. Ich habe das Video genannt: “Das ist doch nicht mein Problem?! Wie Kinder eigenen Lösungen finden.”

Das ist nämlich eine gute Frage. Wenn ich in ein Gespräch mit meinem Partner oder meinem Kind gehe, geht es ja meistens um eine konkrete Situation, irgendeinen Konflikt. Die allererste Frage, die ich mir immer stelle, ist: Wem gehört das Problem? Ist es mein Problem? Also ein Problem, das ich mit dem Kind oder mit dem Partner habe? Oder gehört dem anderen das Problem? Wenn nämlich dem anderen das Problem gehört, muss ich da ganz anders rangehen, damit es fruchtbar ist.

Das Zuhören kommt oft viel zu kurz

Wenn ich nämlich dann so rangehe, dass ich gleich wieder etwas dazu sage, dann merke ich sehr schnell, dass der andere das gar nicht hören will, sondern abblockt. Deswegen lohnt es sich da, erst einmal zuzuhören. Es gibt ja auch diesen schönen Spruch: Wir haben zwei Ohren und nur einen Mund, weil wir doppelt so viel zuhören sollen wie wir sprechen. Da ist auch etwas Wahres dran. Denn das Zuhören kommt oft viel zu kurz. Dabei ist das so heilsam.

Zuhören Stufe 1: Pseudozuhören

Ich weiß nicht, ob ihr das schon einmal wirklich erlebt habt, wenn jemand euch wirklich zuhört. Und zwar nicht dieses Oberflächliche, ich nenne das gern Pseudozuhören: “Ja ja, ich verstehe!” Das ist übrigens eine ganz schlimme Floskel, weil die andeutet, dass man gar nicht wirklich zuhört, sondern dass man darauf wartet, dass man selbst jetzt wieder schnell etwas sagen kann. Deshalb ist das gar kein wirkliches Zuhören.

Zuhören Stufe 2: Zuhörlaute

Dann gibt es diese zweite Stufe, dass man tatsächlich die Aufmerksamkeit schenkt, Blickkontakt hält, diese Zuhörlaute “hm, ja, so” von sich gibt. Die zweite Stufe ist schon ein bisschen besser, weil sie dem anderen signalisiert: “Ich gebe dir jetzt meine Aufmerksamkeit.”

Zuhören Stufe 3: Paraphrasieren

Noch ein bisschen besser ist das Paraphrasieren. Das bedeutet, das, was der andere sagt, gebe ich in meinen eigenen Worten noch einmal wieder. Das zeigt dem anderen, dass ich es auf einer kognitiven Ebene verstanden habe. Der Inhalt der Aussage ist bei mir angekommen. Das ist okay. Das ist auch eine Technik, die man in anderen Kommunikationsseminare lernt und die durchaus ihre Berechtigung hat. Die führt aber nicht zu dieser Verbindung zwischen Herz und Herz, weil sie immer noch auf dieser Verstandesebene stattfindet. Wo wir ja hinkommen wollen, ist diese wirkliche Verbindung. Die funktioniert nur über das Gefühl.

Zuhören Stufe 4: Aktives Zuhören

Jetzt habe ich ja am Anfang gesagt, das Problem gehört dem anderen. Also geht es ja um sein Gefühl. Was ich jetzt tun kann, um demjenigen zu helfen, an sein Gefühl heranzukommen, ist, dass ich es für ihn benenne. Also, er sagt etwas, und hinter dieser Aussage steckt ja ein bestimmtes Gefühl, aus dem heraus er das sagt. Das versuche ich für ihn zu ergründen.

Probleme sind wie Zwiebeln

Man muss sich das so vorstellen: Probleme sind wie Zwiebeln, die kommen in Schichten. Ganz oben am Rand ist das Problem, das dem anderen gerade bewusst ist und was er ausspricht. Zum Beispiel sagt meine Tochter: “Ich will nicht in den Kindergarten!” Das kommt, vor allem montags, sehr häufig vor. Ich habe jetzt die Erfahrung gemacht, dass es immer ein dahinterliegendes Problem gibt. Wenn ich es schaffe, an diesen Kern des Problems heranzukommen, dann erst kann ich Lösungen finden, die tatsächlich helfen. Denn “Ich will nicht in den Kindergarten” ist halt sehr an der Oberfläche, da weiß ich ja gar nicht warum.

Aktives Zuhören

Diese Technik “Wem gehört das Problem?” und “Wie komme ich dahin?” wurde schon in den 60er Jahren entwickelt von Thomas Gordon. Der hat ein sehr tolles Buch geschrieben, Familienkonferenz. Das ist wirklich sehr lesenswert. Es geht ums Aktive Zuhören. Wenn der andere ein Problem hat, mit dem ich nichts zu tun habe, und ich ihm helfen will, eine Lösung zu finden, wie kann ich das machen. Die Technik ist “Aktives Zuhören”. Das bedeutet, dass ich immer versuche, sein Gefühl zu benennen, das dahinter steckt.

12 Kommunikationssperren

In diesem Buch hat er 12 Kommunikationssperren beschrieben. Die habe ich hier auch auf meinem Spickzettel, denn es sind ziemlich viele, 12. Eigentlich ist aber alles, was nicht aktiv zuhören ist, eine Sperre. Es fängt an mit:

1. “befehlen, anordnen”

Also, meine Tochter will nicht in den Kindergarten und ich sage: “Ja, du musst aber!” Da ist das Gespräch im Prinzip schon vorbei, und sie fühlt sich natürlich überhaupt nicht verstanden.

2. “warnen, ermahnen, drohen”

Wenn du nicht in den Kindergarten gehst, dann.… Das hilft uns auch nicht. Und man merkt schon gleich, das trennt total.

3. “moralisieren, predigen”

Aber jeder muss doch, ich muss doch auch auf die Arbeit und der Bruder muss doch auch in die Schule. Das hilft ihr einfach nicht.

4. “beraten, Lösungen finden”.

Sehr beliebt! Ich weiß nicht, ob ihr das kennt, dieses “Ja, dann man doch so und so”. Das kenne ich auch selbst, dann sage ich “Ich weiß nicht…” und dann sagt er “Was fragst du mich dann überhaupt?!” Lösungen sofort anzubieten, ist trennend! Das ist interessant, denn derjenige, der eine Lösung anbietet, macht das ja aus einem total guten Motiv heraus. Der will dir ja helfen. Der sagt ja: “Guck mal, ich weiß, wie es geht. Mach es doch so, dann ist dein Problem gelöst!” Aber es geht ja um die Beziehung. Es geht ja darum, den anderen dahin zu bringen, selber eine Lösung zu finden und die Beziehung zu stärken. Die Beziehung ist ja das A und O, denn auf der Beziehung baut alles auf. Je öfter ich es schaffe, dem anderem Empathie zu geben – also ihm zu zeigen, ihr sehe dich, ich höre dich, ich merke, worum es dir geht, und ihm das auch zu zeigen, indem ich sein Gefühl benenne – je öfter ich das mache, desto stabiler wird unsere Beziehung. Und auf dieser Beziehung baut dann alles andere auf. Also, Lösungen anzubieten ist auch nicht so gut.

5. “urteilen, kritisieren”

Wenn du jetzt nicht losgehst, verdirbst du uns allen die gute Laune am frühen Morgen. Auch nicht so schön.

6. “belehren, mit Logik überzeugen”

Es muss doch aber sein, es ist doch sinnvoll, da macht ihr doch auch schöne Sachen, das ist doch ganz toll, wenn du dahin gehst.

7. “loben, zustimmen, schmeicheln”

Wenn du mitgehst, dann bekommst du heute Nachmittag ein Eis.

8. “beschämen, lächerlich machen”

Jetzt stell dich nicht so an, das ist doch wirklich nicht so schlimm.

Ihr merkt, diese ganzen Sachen klingen ja erstmal krass. Natürlich will ich mein Kind nicht beschämen. Aber diese Floskeln, die dahinterstecken, die äußert man halt schnell. Intuitiv sagt man das mal eben schnell, wenn man sich nicht stoppt. Deshalb diese Bewusstseinstufe. Es geht gerade darum zuzuhören und nicht irgendetwas anderes zu tun von diesen 12 Dingen. Wir waren jetzt bei Nummer 8 “beschämen”.

9. “interpretieren, analysieren”

Du bist doch nur neidisch, wahrscheinlich hast du dies und das.

10. “beschwichtigen, trösten”

Es ist doch gar nicht schlimm.

11. “nachforschen”

Ja, warum denn?

Eigentlich auch interessant, denn man denkt ja, ich zeige dem anderen mein Interesse, indem ich frage, woran liegt es denn. Das Problem ist, wahrscheinlich weiß er das nicht oder kann es zumindest nicht so benennen. Dadurch bore und analysiere ich zu sehr und will zu sehr vom Kopf her wissen, es geht ja um die Beziehung Herz zu Herz. Deshalb hilft dieses Nachbohren, Nachfragen, noch mehr Fakten wissen wollen, auch nicht.

12. “ablenken, ausweichen”

Lass uns doch ein andermal darüber reden.

Jetzt haben wir gelernt, was alles nicht gut ist. Wie geht es denn jetzt?

Da wollte ich noch einmal zu diesem Beispiel zurückkommen, der Zwiebel, der Kern des Problems. Wir wollen dem anderen helfen, dahin zu kommen, was denn eigentlich dahinter steckt. Das machen wir, indem wir immer hinter jeder Aussage sein Gefühl benennen.

Wir waren jetzt dabei, wie man diese 12 Kommunikationssperren, wie zuhören nicht funktioniert, bzw. wodurch man diese Verbindung sofort zerstört, hinter sich lässt und stattdessen aktiv zuhört. Das geht halt, indem man das Gefühl benennt.

Wenn meine Tochter sagt: “Ich will nicht in den Kindergarten”, dann sage ich “Boar, du bist aber ganz schön genervt.” Dann sagt sie: “Ja, genau!” Oder sie sagt: “Nee, ich finde es da total langweilig.” Dann habe ich ja die nächste Aussage. Dann mache ich wieder genau dasselbe: “Aha, du sagst, es ist langweilig.” Das ist auch interessant. Nachplappern ist eigentlich nicht so gut, sondern zu sagen: “Aha, macht ihr da immer wieder die gleichen Sachen?” Oder “Ist es so, dass ihr schon länger nichts Neues mehr gemacht habt?” Dann kommt wieder: “Ja, genau!”

Das ist interessant, denn es kommen immer andere Sachen.

Das Problem “Ich will nicht in den Kindergarten” haben wir häufig. Wenn ich mir aber die Zeit nehme, dahin zu gucken, dann kommen tatsächlich immer unterschiedliche Sachen. “Es ist langweilig” war lange Thema. Wir haben das dann gelöst, indem sie gesagt hat: “Ich würde gern mal ein neues Spiel spielen, aber ich kenne alle Spiele, die es da gibt, schon.” Dann kann man – nachdem man schon ein paar Mal die Bestätigung vom anderen bekommen hat, dass man richtig lag und dass man ihm tatsächlich geholfen hat und dass er merkt, ich bin daran interessiert – sagen: “Ich habe da eine Idee. Magst du die mal hören?” Vielleicht sagt er ja, vielleicht sagt er: “Nein, das finde ich alles blöd und überhaupt will ich da gar nicht hin.”

Dann drehen wir noch eine Runde.

An einem anderen Tag war es so, dass wir darauf gekommen sind: “Ich will da hin, aber nur, wenn du mich vor dem Mittagessen abholst.” Aha, wieder eine ganz neue Information. “Okay, du möchtest nicht so lange da bleiben?” “Nein, es geht mir nicht um so lange, aber das Mittagessen!” Da merkt ihr, der andere öffnet sich. Beim Mittagessenthema war es zum Beispiel so: Es ist Montag, es gibt Salat. Ich muss dann immer den Salat probieren und ich mag den nicht. Wenn wir da erstmal sind, bei dem Punkt, wo wir wissen, worum geht es dem anderen denn, dann kommt er vielleicht darauf. Dann kann man sagen: “Möchtest du, dass ich dir helfe? Oder hast du selber eine Idee? Wie wollen wir da weitermachen?”

4 Stufen des Zuhörens

Wir hatten jetzt die 4 Stufen des Zuhörens.

1. Das oberflächliche Pseudo “Ja, ja, ich verstehe.”
2. Dann die zweite Stufe: Blickkontakt halten, soso, ja.
3. Das dritte: Paraphrasieren, also vom Kopf her die Aussage wiederholen. Inhaltlich ist angekommen, was du gesagt hast.
4. Und das aktive Zuhören, um das es uns eigentlich geht: Das Gefühl benennen.

Dann hatten wir die 12 Kommunikationssperren. Im Prinzip könnt ihr euch merken, alles was nicht aktiv zuhören ist, ist irgendwie trennend. Ihr könnt das gern auch mal an euch ausprobieren. Ihr kennt das vielleicht. Ihr kommt nach Hause und wollt vielleicht einfach nur erzählen, es war total ätzend auf der Arbeit. Und der Mann kommt gleich mit: “Ja, da musst du mal mit deinem Chef sprechen!” Kennt ihr das? Das ist mir schon manchmal so gegangen. “Nein, das will ich nicht. Ich möchte dir einfach nur mal sagen, wie es mir geht. Kannst du einfach nur mal hören?”

So geht es ja Deinem Kind auch

Kinder erleben ganz oft, dass ihr Problem weggewischt wird, indem man sagt: “Komm schon, stell dich nicht so an, das machen wir schon. Ich finde eine Lösung für dich.” Die wollen ja selber Lösungen finden. Denn wenn sie selber Lösungen finden, sind sie auch viel eher bereit, sie umzusetzen. Die fühlen sich auch viel besser an.

Wir haben dadurch zwei Sachen geschafft:

1. Wir ziehen uns nicht jeden Schuh an. Und müssen uns nicht um jedes Problem kümmern. Im Gegenteil, wir geben dem Kind nach und nach die Kompetenz, es selbst zu machen.

2. Wir haben die Beziehung zwischen uns und unserem Kind gestärkt. Denn das Kind weiß, wenn ich mit meiner Mama oder mit meiner Stiefmutter spreche, dann hört sie mir wirklich zu. Das ist eine Erfahrung, die Kinder leider ziemlich selten machen.

Zuhören – die Reaktion

Ich kriege das dann immer relativ schnell zurückgespiegelt. “Du hörst mir gar nicht richtig zu.” Ich merke auch, in dem Moment, in dem ich rausgehe. Weil es natürlich anstrengend und zeitintensiv ist! Gerade am frühen Morgen auch echt nervig! Dann merke ich, wie die Schotten runtergehen. Und die Verbindung nicht mehr da ist. Wenn man es im Gespräch noch merkt, kann man vielleicht noch zurückrudern und sagen: “Mensch, das ist nicht jetzt echt frustrierend für dich. Da hast du dich wahrscheinlich so und so gefühlt, stimmt das? Worum ging es dir denn eigentlich?” Man kann immer nur vermuten. Das ist total legitim, dem anderen ein Gefühl anzubieten. “War es so und so?” Dann kriegt man relativ schnell zurückgemeldet, ja oder nein, das stimmt ja überhaupt nicht.

Das waren meine Punkte, die ich mir zum aktiven Zuhören aufgeschrieben hatte. Ich bin gespannt, ob ihr das so umsetzen könnt. Schreibt mir doch gern mal eure Erfahrungen. Wie fühlt sich das an, wenn euch jemand zuhört? Könnt ihr das beschreiben? In welchen Situationen schafft ihr das, eurem Kind zuzuhören? Und was ist der Kern der Zwiebel? Das würde mich total interessieren, wie ihr das umsetzen könnt. Oder auch wenn ihr noch Probleme und Fragen habt, oder nicht richtig wisst, wie es geht, dann schreibt mir das auch.

Ich verlinke euch noch das Buch und einen Blogartikel, den ich mal darüber geschrieben und wo ich das Gespräch aufgeschlüsselt habe. Ich freue mich auf unsere Diskussion in der Facebook-Gruppe.