Stress lass nach! – Ich habe eine wunderschöne Bandage. Denn ich saß ein bisschen zu viel am Computer. Was früher mal der Tennisarm war, ist heute der Mausarm. Da bin ich ins Grübeln gekommen. Das ist ja ein Gefühl. Mein Körper zeigt mir damit: “Hey, pass mal auf! Du brauchst gerade etwas anderes! Vielleicht eine Pause oder sportliche Betätigung und nicht immer die gleiche Bewegung.” Dann habe ich angefangen, mich noch einmal mit Gefühlen zu beschäftigen. Was dahintersteckt und was  die im Körper bewirken und für eine Funktion haben: Einen Warneffekt.

Gefühle als Warnsignal des Körpers

Jedes Gefühl, das wir wahrnehmen und körperlich spüren können, weist uns auf etwas hin, und zwar auf ein Bedürfnis, das gerade nicht erfüllt ist. Wenn es ein Gefühl ist, das wir als etwas Negatives einordnen, wie z.B. Schmerzen, dann zeigt uns das: “Du brauchst gerade etwas. Pass gut auf Dich auf! Ruh Dich mal aus! Das ist das, was gerade bei Dir im Mangel ist. Ich zeige Dir jetzt mal, dass Du Dich da etwas mehr um Dich selbst kümmern solltest.” 

Vielleicht hast Du da auch schon einmal erlebt? Wenn es stressig wird, wird man krank. Oder hinterher, wenn es wieder etwas abklingt, wird man krank, weil man es sich erlaubt. Das ist ganz interessant, wie Körper und Gehirn zusammenspielen. Das spannendste ist nämlich das Gehirn.

Stress, Wut und Ärger

Ein Gefühl, das wir auch oft als etwas Negatives einsortieren, ist die Wut. Die Wut ist die Steigerung vom Ärger. Wir fangen an, sind ärgerlich, uns nervt etwas, uns wurmt etwas. Dann geht das aber schnell in diese Richtung. Manchmal kommt die Wut ja auch ganz plötzlich. Gefühle kommen wir eine Welle. Sie rollen auf uns zu, dann sind sie da, und dann ebben sie auch irgendwann wieder ab. 

Stress Wut Welle

Wir steuern das unbewusst mit unseren Gedanken. Das Thema Wut ist spannend. Ich habe darüber schon einiges gelesen, das ist ja auch in ganz vielen Erziehungsbüchern schön beschrieben. “Das gewünschteste Wunschkind” kennt vielleicht der eine oder andere von euch. Ich wollte gern verstehen, was im Körper passiert. Das ist nämlich ganz interessant. Das ist nämlich bei Ärger, Wut und Stress genau die gleiche Reaktion, die sich da in unserem Körper abspielt, und zwar die, die unser Körper noch aus einer evolutionär sehr frühen Zeit kennt, als wir noch mit Keule die Mammuts gejagt haben. Daher kommt auch diese Stressreaktion. Wir haben gesehen, da ist ein Mammut, und dann musste halt schnell etwas passieren. Das ist das typische Angriff-oder-Flucht-Programm, was dann im Körper abgespielt wird. 

Stressreaktion – Ein biologischer Exkurs

Um Dir das begreiflich zu machen, habe ich mir überlegt, wie ich das anschaulich machen kann. Jetzt kommt ein kleiner biologischer Exkurs. Ich bin kein Biologe. Wenn sich jemand von euch sich richtig gut mit dem Gehirn und dem Körper auskennt, schreib mir gerne, wenn ich da etwas falsch erkläre. So habe ich es mir jetzt erschlossen. Ich finde immer, der erste Schritt, um mit etwas umzugehen, ist, sich damit auseinander zu setzen und zu verstehen, was für Mechanismen dahinterliegen. Deshalb gebe ich euch das jetzt weiter und hoffe, ihr könnt euch dafür so sehr begeistern wie ich oder findet es spannend. 

Der Aufbau des Gehirns

Unser Gehirn ist in etwa so groß wie zwei Fäuste. Der Aufbau ist ungefähr so: Du kannst mal eine Faust ballen und vor Dich halten und die andere darum herum legen. Dann sieht es von vorne so aus. 

Das Gehirn

Das Handgelenk ist das Reptiliengehirn. Das ist das Stammhirn und der älteste Teil des Gehirns. 

Die Faust ist das Zwischenhirn. Man nennt es auch Säugetiergehirn. Für uns ist das interessant, weil sich dort die Gefühle abspielen. 

Die obere Hand außen drum herum ist das Großhirn. Das nennt man auch Neocortex. Das ist der Teil, den man kennt, mit der geriffelten Struktur und das sich in eine linke und rechte Gehirnhälfte aufteilt. Das ist jetzt aber nicht so interessant für uns. 

Stress beginnt in der Amygdala

Interessant für uns ist das Zusammenspiel zwischen dem Zwischenhirn und dem Großhirn. Der Daumenknöchel ist die Amygdala. Die heißt auch Mandelkern, und dort fängt das ganze Wutsystem an. 

Wenn eine Situation kommt – also zum Beispiel sehen wir ein Mammut oder unseren Chef, oder unser Kind macht etwas, das uns wahnsinnig aufregt – dann passiert immer das gleiche. Die Amygdala springt an. Die ist mit dem Großhirn verbunden und regelt, was jetzt weitergegeben wird. Die Amygdala ist aber viel schneller. Das heißt, in dem Moment, wo wir feststellen, da ist etwas Bedrohliches, wir müssen jetzt reagieren, können wir nicht mehr auf den Teil von unserem Gehirn zugreifen, der uns rational denken lässt.

Das rationale Denken ist abgeschaltet

Das ist hier vorne der präfrontale Cortex, also der Stirnlappen. Das funktioniert nicht mehr, sondern wir befinden uns komplett in diesem Teil (Zwischenhirn). Das rationale Denken, mit dem wir unsere Entscheidungen treffen, ist für den Moment komplett außer Kraft gesetzt. Die Amygdala springt an und die Nebennieren schütten Hormone aus, vor allem Adrenalin und Cortisol. Adrenalin bewirkt, dass man sehr schnell laufen kann  und die Kräfte mobilisiert. Cortisol sorgt dafür, dass das längerfristig ist, also nicht nur kurz, sondern dass der Zustand aufrecht erhalten wird. 

Weitere Stressreaktionen

Dann passieren diese ganzen Stressreaktionen, die wir auch spüren können. Unser Herzschlag wird schneller. Die kleinen Blutgefäße verengen sich und durch die großen wird mehr Blut geschickt, damit wir schnell laufen können. Die Muskeln werden besser durchblutet, dafür geht die Durchblutung im Verdauungssystem zurück. Verdauung ist ja nicht so wichtig, wenn man gerade auf der Flucht ist. 

Jetzt erinnern wir uns zurück an den Steinzeitmenschen mit dem Mammut. Der war kurze Zeit super aktiv, und danach hat er eine Pause gemacht. Dann konnte sich das ganze System wieder regenerieren. Was aber bei uns im Alltag passiert ist, dass wir permanent von einer stressauslösenden Situation in die nächste gehen. 

Uns fehlt die Entspannung nach dem Stress

Das fängt schon früh an. Wir haben Zeitdruck. Wir müssen pünktlich aus dem Haus. Dann sind wir auf der Arbeit, dann haben wir Termine. Dann kommt der Chef, wir denken schon wieder an den Nachmittag. Dann kommt auch noch dieses Kind um die Ecke und will irgendwas von uns und kann nicht mal fünf Minuten ruhig sein. Dann will der Mann noch etwas, dann haben wir die Bahn verpasst und müssen noch gesund kochen, weil das ja so wichtig ist. Und abends ist erst der Zeitpunkt, wo man ein bisschen herunterfährt. Die ganze Zeit war Verdauung nicht so wichtig. Am Abend kommt dann der Heißhunger. 

Die Weltgesundheitsorganisation sagt, dass Stress das Gesundheitsrisiko Nr. 1 des 21. Jahrhunderts ist.

Es gibt auch Studien, die belegen, dass viele Krankheiten bis hin zu Krebs darauf zurückzuführen sind, dass wir uns nicht genügend regenerieren. Stress wird nicht nur durch die Situation an sich ausgelöst, sondern auch durch das, was wir denken. Wir können es also steuern, ob wir einen stressauslösenden Gedanken denken, der uns wieder in diesen Alarmzustand versetzt, oder ob wir entspannende Gedanken denken. 

Kampf oder Flucht

Wir schätzen ja in Blitzesschnelle ein: “Das Mammut sieht gefährlich aus, da renne ich lieber weg” oder “Der Schlange kann ich einen Stein auf den Kopf schmeißen.” Das passiert übrigens auch, wenn Du Dein Bonuskind anguckst. Wenn Du findest, das ist ein kleines Kind. Dann ist der Urinstinkt Angriff, das heißt, Du wirst eher schreien.

Die Wut verläuft in 4 Phasen wie eine Welle, die kommt und wieder abebbt.

Die erste Phase ist die Signalphase, in der die Amygdala anspringt. 

Dann kommt die Ausbruchsphase, in der wir merken, dass wir wütend werden. Es kocht so hoch. Das ist auch der Moment, in dem wir uns entscheiden, wie wir damit umgehen. Jetzt könnte man ja sagen, dann versuche ich halt die Wut zu unterdrücken und beiseite zu schieben. Das ist aber gar nicht gut. Es ist ja ein Gefühl, damit habe ich ja angefangen. Gefühle sind wichtig und müssen wahrgenommen werden. Erst wenn sie Raum hatten, können sie wieder abklingen. Ich kann schon sagen: Ich bin grad richtig wütend. Und das wahrnehmen. 

Die dritte Phase ist die Eskalationsphase. Da entscheide ich mich, was ich jetzt mache. Reagiere ich auf die Wut? Schreie ich zum Beispiel, renne weg oder tobe. Oder nehme ich es einfach nur wahr. Ich sehe, ich bin wütend. 

Dann kommt auch schon die Phase, wo es wieder abebbt. Das ist die Nachbereitungsphase.

Das dauert gar nicht so lange wie es jetzt klingt. Das sind Sekundenbruchteile, das geht so schnell. Deshalb finde ich es wichtig, sich mal bewusst zu machen, dass es tatsächlich Phasen sind und wir die Möglichkeit haben, da reinzugehen. Wut entsteht, wird getriggert und ausgelöst, Du hast aber die Entscheidung, wie Du damit umgehst.

Entspannung ist eine Entscheidung

Wenn Du nach der stressauslösenden Situation keine Regenationsphase hast, wird es schädlich für den Körper. Deshalb ist es wichtig, bewusst entspannende Gedanken zu denken und bewusst die Wut zwar zu fühlen, aber auch wieder gehen zu lassen. Jetzt ist das Gefühl weg. Natürlich steckt immer noch etwas hinter der Situation. Warum hat es Dich denn so aufgeregt. Da sind wir bei dem, was ich ganz am Anfang gesagt habe. Das Gefühl ist ein Hinweis, dass irgendetwas fehlt, was Du gerade brauchst. 

Du kannst sagen: “Okay, in dieser Situation hat bei mir diese Reaktion stattgefunden. Ich war total wütend. Warum?” Dann bist Du wieder derjenige, der handlungsfähig ist und gucken kann: Wie gehe ich damit um? Was will ich machen? Was kann ich mir Gutes tun? Und wie kann ich dafür sorgen, dass ich aus dieser Stresssituation auch wieder herauskomme. 

Was kannst Du konkret tun?

Da gibt es diese typischen Dinge, die Du bestimmt kennst. Atemübung, Yoga, Meditation. Ich fände es super, wenn wir in der Gruppe mal sammeln. Was machst Du für Dich? Wie kommst Du mit Deinen stressauslösenden Situationen klar? Wie sorgst Du dafür, dass Du entspannen und wieder herunterkommen kannst? Dann habe ich mir gedacht, machen wir diese Woche ein kleines Anti-Stess-Programm. Ich gebe ein paar Ideen rein, die ich habe, ihr könnt auch eure Ideen teilen. Um zu sehen: Was kannst Du für Dich tun? Damit Du nicht krank wirst. Damit es kein Dauerzustand wird, der dann in irgendwelche Krankheitsbilder führt. 

Wenn Du feststellst, was Du brauchst, dann bist Du dafür verantwortlich, dafür zu sorgen, dass Du es auch kriegst, denn nur dann kannst Du sichergehen, dass Du es auch kriegst. Wenn Du Dein Wohlergehen, Deine Entspannung und Deinen glücklichen Gemütszustand davon abhängig machst, was andere tun, bleibst Du immer in dieser – ich nenne es ja gern – Opferrolle. In dieser Haltung, wo Du nichts machen kannst. Wenn Du tatsächlich denkst, dass Du in so einer Situation steckst, dann lass uns darüber reden. Ich habe noch ein paar Slots frei. Wenn Du nicht alleine aus dem Stress herausfindest, melde Dich bei mir und dann reden wir darüber.