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“Bedürfnisorientiert, das ist ja etwas Wunderschönes. Natürlich möchte ich gern auf mein Bonuskind eingehen und meinem Partner seine Wünsche erfüllen und meinetwegen auch mit der Exfrau auf Augenhöhe kommunizieren. Aber heißt das denn jetzt, dass ich wirklich jeden Wunsch erfüllen muss?” Diese Frage wird mir öfter gestellt.

Die Antwort lautet: Nein. Ein Bedürfnis ist nämlich etwas grundlegend anderes als ein Wunsch.

Ich wünsche mir ein Eis.

Ich wünsche mir ein Auto.

Ich wünsche mir, dass die Sonne scheint.

Das sind alles ganz konkrete Dinge. Kinder wünschen sich ja oft noch viel mehr. Die haben ja lange Listen, was sie sich so alles wünschen.

Bedürfnisorientiert heißt: “Ich nehme mein Kind wahr und interessiere mich dafür, was es braucht”. Es heißt nicht, dass ich ihm drei Eis am Tag kaufen muss. Es schließt es auch nicht aus. Aber bedürfnisorientiert meint nicht die sofortige Wunsch-Erfüllung.

Die Wünsche sind nur die konkreten Strategien. Was dahinter steckt, ist das Bedürfnis.

Worum  geht es denn in dem Fall von “Ich wünsche mir ein Eis”? Um den Genuss? Kann ich auch etwas anderes genießen? Geht es um die Zuneigung? Darum, dass ich etwas Schönes zusammen erleben möchte? Dieser konkrete Wunsch ist eben nur ein Ausdruck von dem Bedürfnis, das dahinter steckt.

Was war der letzte Wunsch, der an Dich herangetragen wurde? Was wurde sich von Dir gewünscht und wie hast Du Dich da gefühlt?

Entscheidend ist die Frage: Was erfüllt sich dadurch, wenn der Wunsch erfüllt wird?

Du hast das Gefühl, Du musst ständig Wünsche erfüllen? Das musst Du nicht. Wünsche aus einem Zwang heraus zu erfüllen, ist nichts Schönes. Es geht ja darum, eine Verbindung herzustellen. Das geht nur über Freiwilligkeit. In beide Richtungen.

Eine Bitte ist eine Einladung, das Leben eines anderen Menschen schöner zu machen

Wenn sich jemand etwas von Dir wünscht und eine Bitte an Dich heranträgt, hast Du dadurch die Gelegenheit, konkret etwas zu machen, das den Menschen vielleicht glücklich macht oder sein Leben schöner macht. Du kannst das entscheiden. Andersherum halt auch.

Wir kommen schnell zu Forderungen. “Du sollst jetzt den Tisch abräumen!” “Du sollst JETZT Dein Zimmer aufräumen!” Dann hat es nichts mehr mit Freiheit und Schönheit zu tun. Was erfüllst Du Dir dadurch? Geht es Dir um die Unterstützung? Geht es Dir um die Ordnung? Geht es Dir um Respekt oder Rücksichtnahme? Da kann ja vieles verschiedenes dahinterstecken. In dem Moment, wo Du das von diesem konkreten Wunsch “jetzt das genau in dieser Sekunde, diese konkrete Handlung” lösen kannst, da merkst Du, dass Du wieder frei wirst.

Dann kann man auch andere Lösungen finden. Dinge, die einem selbst nicht so Bauchschmerzen machen, die man guten Gewissens oder frohen Herzens tun kann. Da entsteht der Raum und Verbindung. Augenhöhe entsteht durch die Verbindung und gesehen zu werden. Natürlich kannst Du auch immer sagen, was Du in einer bestimmten Situation gern möchtest.

Bedürfnis und Wunsch ist nicht dasselbe.

Ein Wunsch ist immer sehr konkret. Es ist wie bei der Bedürfnissonne: unterschiedliche Strategien ein Bedürfnis erfüllen. Bei Wünschen steckt immer etwas dahinter.

Bedürfnissonne glücklich

Ich wünsche mir ein Auto. Warum?

Geht es mir um die Leichtigkeit? Geht es mir um Effizienz? Worum könnte es Dir gehen?

Was erfüllt sich für Dich, wenn Du dieses konkrete Ding bekommst?

Genau diese Frage kannst Du Dir auch bei allen anderen stellen. Was erfüllt sich für Dein Bonuskind, wenn er etwas Konkretes bekommt? Und wenn Du diese konkrete Art nicht möchtest und aus irgendeinem Grund diese Strategie Dir nicht gefällt – wie kannst Du es ihm anders geben?

Das Schöne ist, wenn das Bedürfnis an sich erfüllt ist, geht auch dieser Wunsch weg. Der Wunsch ist ja nur die Lieblingslösung, die man jetzt gerade hat und die einem gerade einfällt. Statt sich darüber aufzuregen und zu denken “Das ist ja undankbar!”, einfach mal den Blick davon weglenken und zu schauen, was dahinter steckt.

Schau doch einmal genau hin: Was wünschst Du Dir konkret und was steckt eigentlich dahinter? Was brauchst Du? Was ist Dir wirklich wichtig? Was erfüllst Du Dir durch diesen Wunsch? Das schreib doch einfach mal auf. Dann merkst Du, dass Du gar nicht so abhängig bist von diesem einen konkreten Ding, von dem Du jetzt glaubst, dass Du es so gern haben möchtest. Und vielleicht werden ja auch einige Deiner Wünsche erfüllt. Das ist ja das Schöne: Es kann ja auch sein, dass man seine Lieblingslösung bekommt.