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Als die Einladung zur Blogparade “Einen Scheiß muss ich!” mich erreicht hat, fiel mir als Erstes das gleichnamige Buch ein. “Sean Brummel: Einen Scheiß muss ich: Das Manifest gegen das schlechte Gewissen – Aus dem Amerikanischen erfunden von Tommy Jaud.” Weniger trinken? Mehr Sport machen? Raus gehen, wenn die Sonne scheint? Bei einigen Dingen, die wir meinen, tun zu müssen, ist es gar nicht so schwer, auch mal Nein zu sagen.

Allzu oft sagen wir aber Ja, auch wenn wir Nein fühlen. Und was ist mit Dingen, bei denen man gar nicht frei entschieden kann? Vielleicht denkst Du: “Natürlich möchte jeder Spaß haben, aber so ist das Leben nicht!” oder “Jeder Mensch hat Verpflichtungen, hat Dinge, die er einfach tun muss!” Ist das wirklich so?

Tue nichts, was Du nicht aus spielerischer Freude heraus tust.

Marshall Rosenberg

Kennst Du das? Gleich nach dem Aufwachen hast Du eine To-Do-Liste mit lauter beruflichen und privaten Terminen im Kopf. Eine lange Latte mit Aufgaben oder “Kleinigkeiten”, die Du von anderen oder Dir selbst aufgetragen bekommen hast. Einen Kuchen zum Sommerfest mitbringen? Kein Problem. Den Anzug aus der Reinigung holen? Na klar. Für die Kollegin einspringen? Okay. Zu den meisten Dingen hast Du schon selbst “Ja” gesagt, auch wenn sie Dich hinterher nerven.

Hand schreibt eine To Do Liste

Ehrlich Nein sagen

Was wir nicht aus einer kindlichen Freude heraus machen, ist eher eine lästige Pflichterfüllung. Das fühlt sich dann furchtbar an und führt zu schlechte Laune. Mit einem halbherzigen “Ja” belügen wir uns selbst und den anderen.

Wenn Sie etwas für mich tun möchten, dann tun Sie es bitte nur, wenn Sie es mit der Freude eines kleinen Kindes tun, das eine hungrige Ente füttert.

Marshall Rosenberg

Ich bin davon überzeugt, dass Menschen gern zum Wohlergehen anderer beitragen, wenn sie es freiwillig tun. Die Freiwilligkeit ist dabei absolut notwendig. Klar, wenn jemand uns um etwas bittet, kommen wir der Bitte schon nach. Oft allerdings aus einem Gefühl der Verpflichtung heraus, und dann ist es ja genaugenommen gar nicht freiwillig. Wenn wir Bitten so halbherzig erfüllen, ist darin keine Freude.

Stell Dir mal ein Kind im Park vor. Wenn es die Enten füttert, kann man von außen nicht erkennen, wer eigentlich schenkt und wer beschenkt wird. Die Ente, die Brotstück für Brotstück futtert oder das Kind, das mit strahlendem Gesicht der Ente die Krümel zuwirft. So sollte unser Geben sein!

Mädchen füttern Enten und Schwäne

Fühlst Du Dich “ertappt”? Keine Angst. Mit der Schwierigkeit, nicht nein sagen zu können, bist Du nicht alleine. Es gibt ganz Reihen von Ratgebern darüber, Selbsthilfekurse und Millionen Blogartikel. Dabei gibt es einen ganz einfachen Tipp: Nimm dir Zeit.

Sofort Ja oder Nein sagen? – “Einen Scheiß muss ich!”

Aus einem Impuls heraus zu antworten, geht einfach zu schnell. Wenn Du Dir Zeit nimmst, kannst Du auf Deine Bedürfnisse hören und dann ganz frei entscheiden, ob Du die Bitte gern erfüllen möchtest oder nicht. Es erfordert etwas Übung, Dir mehr Zeit für ein “Ja” oder ein “Nein” zu nehmen.

Probier das doch heute mal aus: Wenn jemand Dich um etwas bittet, sag nicht sofort “Ja” oder “Nein”. Nimm Dir die Zeit, über die Antwort nachzudenken. Sag lieber zuerst “Ich will darüber nachdenken” und überlege: 

  • Möchtest Du die Bitte vom Grunde Deines Herzens heraus mit Freude erfüllen? 
  • Vielleicht möchtest Du Dir mit einem “Ja” Liebe, Wertschätzung und Anerkennung erkaufen? 
  • Erwartest Du still und heimlich eine Gegenleistung für Dein “Ja”? 
  • Sagst Du “Ja” um der Harmonie willen? 

Sei absolut ehrlich mit Dir selbst! 

Und schenke Deinem Gegenüber Deine Aufrichtigkeit. 
Entscheide Dich dann für ein “Ja” oder ein “Nein”.

Hand hält ein rotes Filzherz vor unscharfen grauen Pullover

Deine inneren Verpflichtungen anschauen

Neben den “Gefälligkeiten”, die wir bis jetzt mehr oder weniger gern für andere erledigt haben, gibt es aber noch eine andere Gruppe von Dingen, die wir vermeintlich tun MÜSSEN. Was ist mit Verpflichtungen wie “die Kinder in den Kindergarten bringen”, “arbeiten”, “vor dem Wochenende alle Emails beantworten” oder “einkaufen gehen”?

“Von wegen, tue nichts, was du nicht aus spielerischer Freude heraus tust.” grummelt es vielleicht in Dir. “Das Leben ist schließlich kein Ponyhof! Manche Dinge müssen gemacht werden, ob man will oder nicht.”

Tatsächlich war Rosenberg sehr konsequent in seiner Haltung, dass alles Spiel ist. Seine Idee war, “müssen” in “frei wählen” zu übersetzen. Und sich dann zu überlegen, welches Bedürfnis hinter der Handlung steckt. In der Konsequenz hat er sogar seinen Job als Psychologe gekündigt und ist erstmal Taxi gefahren! Ihm fiel einfach kein guter Grund ein, den er sich mit dem Schreiben von Patientenberichten erfüllte. Aber der Reihe nach…

leuchtende Taxi Schilder vor verschwommenen Hintergrund

Vom Müssen zum Wollen – Transformation in 3 Schritten

1) Erstelle Deine Liste der Muss-Sätze. Schreib die Dinge auf, die Du meinst, in Deinem Leben tun zu müssen. Lass auf der linken Seite einige cm Platz.

  • Ich muss die Kinder in den Kindergarten bringen.
  • Ich muss ins Büro fahren.
  • Ich muss vor dem Wochenende alle Emails abarbeiten.
  • Ich muss einkaufen.

2) Mach Dir bewusst, dass Du all diese Dinge tust, weil Du es selbst so entschieden hast. Schreibe dazu “Ich habe frei gewählt, …” oder “Ich entscheide mich dafür…” vor Deine Muss-Sätze.

  • Ich habe frei gewählt, die Kinder in den Kindergarten zu bringen. 
  • Ich habe frei gewählt, ins Büro zu fahren.
  • Ich entscheide mich dafür, vor dem Wochenende alle Emails abzuarbeiten.
  • Ich entscheide mich dafür einzukaufen.

3) Jetzt überlege Dir für jeden Deiner Muss-Sätze, warum Du es tust. Was erfüllst Du Dir mit dieser Handlung? Welches Bedürfnis steckt dahinter? Fange mit dem Satz an, bei dem es Dir leicht fällt, einen guten Grund zu sehen.

  • Ich habe frei gewählt, die Kinder in den Kindergarten zu bringen, weil ich dadurch Zeit zum Arbeiten habe. 
  • Ich habe frei gewählt, ins Büro zu fahren, weil ich mehr sein möchte als Hausfrau und Mutter und weil es uns finanziell entlastet. 
  • Ich habe frei gewählt, vor dem Wochenende alle Emails abzuarbeiten, weil…

Vielleicht ändert sich dadurch nicht unbedingt sofort etwas an der Länge Deiner To-Do-Liste. Was sich aber auf jeden Fall ändert, ist Deine Haltung und innere Einstellung zu den Punkten darauf.

Als Stiefmutter steht auf Deiner Muss-Liste wahrscheinlich noch ein ganz anderer Punkt: Ich muss mich jedes 2. Wochenende um mein Bonuskind kümmern. Es ist übrigens ganz normal, wenn Du das auch (manchmal) als Belastung empfindest. Wäre es nicht befreiend, auch diesen Satz umzuwandeln?

Ich habe frei gewählt, mich jedes 2. Wochenende um mein Bonuskind zu kümmern, weil… ich zur Bereicherung seines Lebens beitragen möchte.

Wow, das klingt groß. Was könnte noch dahinterstecken? Sinnhaftigkeit? Unterstützung? Mitgefühl? Was ist es bei Dir?

Müssen wir anschubsen? Kind schaukelt

Du weißt jetzt, warum Du etwas tust und kannst aus dieser Energie heraus die Dinge angehen. So kommst Du nach und nach zu einem Leben, in dem Du alles, was Du tust, nur aus einem einzigen Grund tust: Um Dir selbst und anderen Freude zu bereiten! 

Du fragst Dich vielleicht, wie Du Deine Bedürfnisse herausfinden kannst? Du steckst so tief in Deinen Aufgaben, dass Dir kein guter Grund für irgendetwas einfällt? Dann lass uns darüber sprechen! Komm in die Starke-Stiefmütter-Session. Ich unterstütze Dich gern!