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Am Wochenende war mein Bonussohn wieder bei uns. Meine beiden Mädels und der große Bruder tollten gerade auf dem Spielplatz, als ich die Frage stellte: “Wollt ihr heute Nachmittag Apfelkuchen oder Waffeln?”

Was danach passiert ist, fand ich super spannend und hilfreich, um zu verstehen, was hinter ganz einfachen Wünschen steckt und wie wir uns selbst das Leben oft unnötig schwer machen. Aber der Reihe nach… 

Zwei von drei Kindern brüllten sofort “Ap-fel-ku-chen, Ap-fel-ku-chen, Ap-fel…” Meine mittlere Tochter hingegen wollte Waffeln. Sie versuchte, gegen den Sprechgesang der anderen anzukommen und ihre Meinung hörbar zu machen – erfolglos. Irgendwann stand sie schluchzend da und dicke Tränchen kullerten über ihre Wangen. 

Photo by 🇸🇮 Janko Ferlič on Unsplash

Worum geht es wirklich?

Der erste Impuls als Mama ist da halt immer trösten zu wollen. Ich bot ihr also an, für sie Waffeln zu machen, wenn die anderen Kuchen essen. Das löste aber anscheinend ihr Problem nicht. Sie wollte, dass wir alle dasselbe essen, und zwar das, was sie gerne möchte. Ich wollte gern verstehen, warum ihr das so wichtig ist und was für ein Bedürfnis dahintersteckt. Also erzählte sie mir, dass die anderen Geschwister heute früh schon Lego spielen wollten statt mit ihren Barbies und sie dort nachgegeben und mitgespielt hat. Statt ihres Hörspiels lief im Kinderzimmer Radio Teddy und auf dem Spielplatz hatte sie verstecken vorgeschlagen, die anderen wollten aber fangen spielen. Nach diesen ganzen Erlebnissen ging ihr Kooperationstank also schon ziemlich zur Neige. 

Ich hörte mir all das an und verstand, worum es ihr geht: Rücksichtnahme, gesehen werden, Harmonie, Gemeinschaft. All diese Bedürfnisse verstecken sich hinter der einfachen Frage: Waffeln oder Apfelkuchen… 

Über Bedürfnisse habe ich schon viel und oft erzählt, denn zu erkennen, warum mir oder jemand anderem etwas wichtig ist, bringt schon viel Entspannung, Klarheit und gegenseitiges Verständnis. 

Die Situation ging aber noch weiter….

Du darfst mein Leben schöner machen

Denn ich entschied mich, mit den anderen beiden Kindern darüber zu sprechen. Ich sagte: 

“Lisa möchte gern Waffeln essen. Ihr ist es wichtig, dass wir alle etwas gemeinsam machen und sie möchte gern, dass ihr Wunsch erfüllt wird. Ihr habt jetzt die Chance, ihr Leben schöner zu machen, wenn ihr möchtet. Was denkt ihr, wollen wir zusammen Waffeln essen?” 

Und was soll ich sagen – beide Kinder sagten ja. Zu lernen, um etwas zu bitten, so dass der andere frei ja oder nein sagen kann, macht das Zusammenleben so viel einfacher. Denn Menschen wollen grundsätzlich gern anderen etwas Gutes tun, wenn sie freiwillig die Möglichkeit dazu bekommen. Die Formulierung “das Leben schöner machen”, benutze ich sehr gerne in diesem Zusammenhang. 

Als sie ihrer Schwester also mitteilten, dass sie gerne ihre Bitte erfüllen und mit ihr Waffeln essen, zuckte sie aber nur kurz mit den Schultern. Die Stimmung war weiterhin betrübt. 

Ahhhh, es ist schon ganz schön kompliziert im menschlichen Miteinander. Vielleicht bist Du schon völlig genervt. Sekunde noch! 😉 

Photo by Kira auf der Heide on Unsplash

Ein Geschenk annehmen

Ich guckte meine Tochter fragend an. Da zupfte sie mich am Arm und wollte mir etwas ins Ohr flüstern. Ich stellte sie auf ein Mäuerchen und lauschte. “Ich möchte euch den Apfelkuchen aber auch nicht verderben!” Sie weinte wieder und schlang ihre Arme um mich. 

Wie oft machen wir uns selbst das Leben schwer! Da wird unser Wunsch gehört und trotzdem können wir es nicht genießen. Wie frustrierend auch für die anderen, die vielleicht denken, jetzt tue ich doch schon, was sie will und sie ist immer noch nicht zufrieden. Ich sagte zu ihr: “Lisa, wir haben uns alle freiwillig entschieden, Deinen Wunsch zu erfüllen. Bitte gib uns doch die Gelegenheit, Dein Leben schöner zu machen und nimm es an!” Da lächelte sie wieder. 

Als die duftenden Waffeln auf dem Tisch standen, sagte sie noch (ehrlich, das denke ich mich nicht aus!):  “Bevor wir anfangen zu essen, möchte ich noch etwas sagen: Danke!”

Wir machen uns das Leben unnötig schwer

Für mich steckt in diesem Erlebnis so vieles drin: 

  • Bedürfnisse, die hinter den Wünschen stecken
  • Kooperationsbereitschaft, die irgendwann aufgebraucht ist
  • Bitten als Angebote zu sehen, das Leben schöner zu machen
  • frei ja oder nein sagen zu können
  • anzunehmen, wenn jemand etwas für Dich tut, ohne schlechtes Gewissen
  • an dem “richtigen” Ende vom Seil die Verantwortung zu übernehmen
  • sich selbst und den anderen das Leben schöner zu machen

Diese ganzen Aspekte erkläre ich in meinem Buch “Patchwork-Power!”, das im Mai erscheint.

Da Dein Leben aber ab jetzt schon leichter und schöner werden darf, habe ich ein neues Gruppencoaching entwickelt. Das “Patchwork-Power! Coachingprogramm” startet im März und geht über 4 Monate. Die Anmeldung ist ab sofort geöffnet.