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Last Updated on 14. Juni 2021 by Marita

“Schreib doch mal einen Artikel, den ich meinem Partner geben kann, damit er endlich versteht, wie ich mich fühle.” Diese Bitte erfülle ich gerne! Das Ergebnis liest Du jetzt. 

Lieber Mann,

Deine Freundin liebt Dich. Das ist der Grund, warum sie das alles überhaupt mitmacht. In ihrem Lebensentwurf war ein Kind von einer anderen Frau ursprünglich nicht vorgesehen. Sie liebt Dich nicht, weil Du ein Kind hast, sondern obwohl Du ein Kind hast. Rein biologisch gesehen hat Dein Kind für sie nicht den emotionalen Stellenwert eines eigenen Kindes. Es wäre unrealistisch zu erwarten, dass dieses Kind für Sie “wie ein eigenes Kind” sein soll. Das heißt aber nicht, dass sie Dein Kind nicht trotzdem von Herzen gern hat. Es ist keine Voraussetzung, ein Kind wie sein eigenes zu lieben, um ihm ein Zuhause geben zu können. Und gerade weil diese natürlichen elterlichen Gefühle bei Deiner Partnerin nicht von Anfang an automatisch da sind, ist das, was sie tut, nicht selbstverständlich.  

Die Verantwortung für Dein Kind, sprich das Sorgerecht, liegt nach wie vor bei Dir und Deiner Ex. Außerdem gibt es keine allgemeingültigen Vorgaben für Stiefmütter, wie viel sie sich einbringen dürfen oder sollen, ohne dass es als Einmischen gesehen wird. Das erzeugt viel Unsicherheit und ein Gefühl von Ohnmacht. Darf ich als Stiefmutter das Kind erziehen, loben, kuscheln, ins Bett bringen oder auch mal meckern? Auf diese Fragen gibt es keine eindeutige Antwort, kein Richtig und Falsch, sondern nur euren eigenen gemeinsamen Weg. Andersherum gilt das gleiche: Es gibt keine Verpflichtung für Stiefmütter, sich um ihre Bonuskinder zu kümmern. Du kannst deshalb nicht voraussetzen, dass Deine Freundin an den Umgangswochenenden immer mit von der Partie ist. Wenn Du möchtest, dass sie auf Dein Kind mit aufpasst, bitte sie aktiv darum (und bedank Dich gern auch hinterher für Ihren Einsatz). 

Partner gibt seine Freundin Blumen
Foto von Andres Ayrton von Pexels

Was Deine Partnerin braucht

Dinge miteinander auszuhandeln kann wahnsinnig mühsam sein. Vielleicht bist Du schon genervt von den Absprachen mit Deiner Ex und willst einfach Deine Ruhe haben? Ich kann gut verstehen, wenn Du nicht über jedes Detail diskutieren möchtest und deshalb manche ihrer Forderungen und Wünsche einfach abnickst. Deiner Freundin geht es um etwas ganz anderes: Sie möchte einbezogen werden. Der Austausch mit der Kindsmutter reicht nicht, Deine neue Partnerin hat auch das Bedürfnis, gefragt und gehört zu werden. Je weniger klare Absprachen Du triffst, desto mehr Unruhe und Unsicherheit gibt es in der Familie. Das führt zu Missverständnissen und Ärger.  

Wenn Du Deinem eigenen Kind bewusst oder unbewusst den Vorzug gibst, entsteht ein immer größerer Mangel bei Deiner Partnerin. Wird das Bedürfnis nach Wertschätzung auf Dauer nicht erfüllt, entzündet sich später Streit wegen vermeintlicher Kleinigkeiten. Die meisten Frauen warten lange Zeit geduldig darauf, dass es irgendwann besser wird. Immer wieder kommen sie mit dem Wunsch nach Wertschätzung an. Wenn dieser enttäuscht wird, ziehen sie sich zurück und gehen aus Selbstschutz in die Abgrenzung. Weil sie das eigentlich nicht wollen, folgt darauf ein schlechtes Gewissen und die Frage, ob sie selbst etwas falsch gemacht haben. Sie beschließen, sich noch mehr anzustrengen – und der Kreislauf beginnt vor vorne. 

Was Du jetzt konkret tun solltest

Du hast Dich bewusst für diese Beziehung entschieden. Du bist da, weil Du sie liebst. Deshalb musst Du nicht ohnmächtig das “Gejammer” der Frau über Dich ergehen lassen, sondern Du darfst und sollst Verantwortung übernehmen und die Situation aktiv mitgestalten. Das Gleiche rate ich übrigens auch den Stiefmüttern im Coaching, es funktioniert aber noch besser, wenn beide Seiten daran mitarbeiten. 

Ja, Beziehungen im Patchworkgefüge sind komplex. Die Basis für eure gemeinsame Zukunft ist eine bewusste Entscheidung zum Patchwork mit all seinen Herausforderungen. Vielleicht habt ihr euch Hals über Kopf ineinander verliebt und seid schnell zusammengekommen. Tatsächlich reicht diese rein emotionale Verbindung als langfristig tragfähiges Fundament nicht aus. Verbindung braucht Verbindlichkeit. Jetzt ist die Zeit, voll in das Commitment und in die Verantwortung zu gehen. Jahrelang “durchzuhalten”, bis die Kinder groß sind oder sich die Situation im Außen verändert, ist keine Lösung. Es lohnt sich, jetzt zu investieren, um ein Leben zu führen, das euch alle glücklich macht. 

Wie ich euch unterstützen kann

Ich bin Marita und selbst Stiefmutter von dem 12jährigen Sohn meines Mannes. Mittlerweile haben wir noch zwei gemeinsame Töchter, außerdem bin ich seit mehreren Jahren selbständig und berate Patchworkfamilien. Ich kann deshalb gut nachvollziehen, was in Deiner Freundin vor sich geht und warum es ihr manchmal schwer fällt, wenn Deine Kinder bei euch sind. Wenn Du so ähnlich tickst wie mein Partner, bist Du vermutlich mittlerweile ziemlich genervt. Du verstehst nicht, was eigentlich das Problem ist und vor allem, was Du jetzt tun sollst. Als ich meinem Mann einen wun-der-schö-nen Brief geschrieben habe, in dem ich ihm mein Herz auf dem Silbertablett serviert habe, meinte er nur: “Wieder so ein Gejammer!” Deshalb verschone ich Dich damit und sage einfach, wie es ist. Das gleiche mache ich übrigens auch in meinen Beratungen und Coachings.

Wenn Du noch Fragen hast, mehr zu meiner Arbeit wissen möchtest oder Dir Unterstützung wünschst, meld Dich gern bei mir.

Ich freue mich darauf, von Dir zu hören. Deine Marita.

PS: Bald startet wieder der Patchwork-Power! Kurs. Darin gehen wir in 5 Monaten gemeinsam Schritt für Schritt raus aus dem Hamsterrad und rein in euer entspanntes Patchworkfamilienleben. Wie klingt das für Dich?