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Liebe kennen wir als warmes Gefühl von Geborgenheit. Als solches ist die Liebe unbeständig. Flüchtig. Schwer zu steuern. Denn Gefühle habe es nun einmal an sich, dass sie in dem einen Moment da sind und im nächsten nicht mehr oder unterschiedlich intensiv. Das ist als Basis für eine Beziehung ungünstig.

“Liebst Du mich?” Warum diese Frage sehr beängstigend und gewaltvoll ist, verrät uns Marshall Rosenberg im Video.

Deswegen sehen wir Liebe als Bedürfnis, das mit unterschiedlichen Strategien erfüllt werden kann. Dennoch ist sie auch ein Bedürfnis, das auf verschiedene Arten erfüllt werden kann. Der Psychologe Gaby Chapman hat herausgefunden, dass es 5 “Sprachen der Liebe” gibt, also Ausdrucksformen, mit denen sich Menschen instinktiv am liebsten ihr Bedürfnis erfüllen. Jeder Mensch spricht intuitiv seine eigene “Muttersprache” der Liebe. 

Die 5 Sprachen der Liebe sind 👍🕖💐🤝💏 – Anerkennung, Zweisamkeit, Geschenke, Hilfsbereitschaft und Zärtlichkeit.

Dafür ist mein Partner zuständig!

Am liebsten wollen wir, dass unser Partner mit uns in unserer Liebessprache spricht und damit unseren Tank auffüllt. Daher ist es wichtig und hilfreich zu wissen, welche Sprache man selbst am liebsten nutzt und auch wie man dem anderen seine Liebe in dessen Sprache zeigen kann. Wenn Du gerade Single bist oder Dein Partner nicht bei Dir ist, kannst Du Dir auch selbst in Deiner Sprache der Liebe zeigen, dass Du für Dich selbst sorgst. Dafür habe ich einige Strategien in diesem Blogartikel gesammelt: Die 5 Sprachen der Selbstliebe.

Jeder spricht eine unterschiedliche Muttersprache der Liebe, und genau darin liegt die Schwierigkeit. Wenn mein Partner französisch und ich deutsch spreche, dann sagt er mir auf seiner Sprache vielleicht wunderschöne Dinge. Vom Kopf her kann ich verstehen, dass das nett gemeint und bestimmt etwas Liebevolles ist. Aber es kommt nicht im Herzen an. 

So ist es auch mit den Muttersprachen der Liebe. Wenn die Ehepartner unterschiedliche Sprachen sprechen, dann strengt sich der eine unglaublich an und sagt: “Aber ich liebe dich doch, und ich tue doch alles, was ich kann! Warum merkst denn du das nicht?” Und der andere sagt: “Ich fühle mich überhaupt nicht geliebt.” Damit das nicht passiert, schauen wir uns die einzelnen Sprachen der Liebe jetzt mal genauer an. 

Sprache der Liebe Nr. 1: 👍 Lob und Anerkennung

Manche Menschen wollen es einfach gesagt bekommen. “Ich liebe Dich. Diese Dinge schätze ich an Dir. Es geht mir gut, wenn wir zusammen sind. Danke, dass Du für mich da bist.” 

Es muss nicht das Loben mit der Floskelgießkanne sein. Heutzutage hören Kinder fast reflexartig: “Das hast du aber toll gemacht! Toll gemalt! Toll geklettert! Super, wie du schaukeln kannst!” Stattdessen geht es darum, wahrgenommen und wertgeschätzt zu werden. Auf dem Spielplatz könntest Du sagen: “Ich sehe Dich. Du bist da ganz oben raufgeklettert. Das fühlt sich gut an, oder? Was hast du denn jetzt für ein Gefühl? Bist du stolz?” Es geht darum, wahrgenommen zu werden. Bei jemandem mit dieser Sprache kommen Worte einfach am besten im Herzen an. 

Sprache der Liebe Lob Anerkennung Daumen hoch
Photo by Johan Godínez on Unsplash

Sprache der Liebe Nr. 2: 🕖Zeit zu zweit

Zweisamkeit. Zeit zu zweit. Neudeutsch “quality time”. Es geht darum, dem anderen die volle Aufmerksamkeit zu geben. Also beim Essen ein Gespräch zu führen, miteinander in diesem Moment zu sein und nicht nebenbei auf dem Handy herumzuklickern. Dann ist die Aufmerksamkeit woanders und dieser Moment hat nicht mehr diese Intensität. Bei dem anderen würde nicht ankommen, dass er jetzt gerade geliebt und wertgeschätzt wird. 

Man kann auch sagen, achtsam sein. Im Moment sein. Ganz hier sein. Blickkontakt halten. Wenn ich mich mit meinem Kind beschäftige, dass ich nicht nebenbei in Gedanken wieder woanders bin, sondern dass ich wirklich da bin. Präsent bin. Und dem anderen diese Präsenz schenke. Mein ganzes Sein letztendlich. 

Sprache der Liebe Zeit zu zweit, Paar geht spazieren
Photo by Kate Hliznitsova on Unsplash

Sprache der Liebe Nr. 3: 💐Geschenke 

Geschenke, die von Herzen kommen. Es geht nicht um große, teure Anschaffungen, sondern die liebevolle Aufmerksamkeit dahinter.  Wo der andere merkt, da hat sich jemand Gedanken darüber gemacht, was mir wichtig ist, was mir Freude machen könnte. Der hat an mich gedacht, als ich nicht bei dem war. Der hat mir etwas mitgebracht. Damit will er mir zeigen, dass er mich liebt. Jemand, dessen Sprache Geschenke ist, wird sich einen geschenkten Kieselstein jahrelang in die Vitrine legen. 

Die Schwierigkeit ist, dass Geschenke heutzutage oft als Notlösung angeboten werden. Wenn Eltern nicht viel Zeit haben, schenken sie dem Kind tolle Dinge. Das ist damit nicht gemeint. Sondern eben Geschenke, die von Herzen kommen.

Sprache der Liebe Geschenke

Sprache der Liebe Nr. 4: 🤝Hilfsbereitschaft 

Hier geht es um Unterstützung. Fühle ich mich dadurch geliebt, dass mein Mann aktiv den Müll herunterbringt oder die Wäsche ausräumt? Natürlich ist es jeden wichtig, dass der andere sich auch engagiert. Aber für Menschen, von denen Hilfsbereitschaft tatsächlich die Sprache der Liebe ist, hat es eine andere Qualität. 

Bei Kindern ist das oft schwierig, weil wir diese Tendenz haben zu sagen: “Die müssen ja selbständig werden. Das müssen die doch alleine können.” Für ein Kind, das die Sprache Hilfsbereitschaft hat, ist es ein Zeichen von Liebe, die Schuhe zugebunden zu bekommen, obwohl es das schon selbst kann. Das kannst Du damit vergleichen, wenn Du abends entspannt auf dem Sofa sitzt. Natürlich kannst Du selbst aufstehen und Dir einen Tee holen, aber natürlich fühlt es sich auch schön an, wenn ich sagen kann: “Ach, Schatz, mach mir doch mal bitte einen Tee.” 

Sprache der Liebe Nr. 5: 💏Zärtlichkeit 

Zärtlichkeit ist ja etwas, das man intuitiv mit Liebe verbindet: Kuscheln, das Kind auf den Schoß nehmen, nebenbei mal über den Rücken streicheln, über den Kopf streichen. Bei Erwachsenen gehört auch Sexualität in diesen Bereich, aber nicht ausschließlich. Sondern es geht vielmehr um diese Kleinigkeiten zwischendurch. 

Sprache der Liebe Zärtlichkeit Paar
Photo by Joanna Nix-Walkup on Unsplash

Miteinander kommunizieren

Warum kommt es jetzt so oft zu Missverständnissen? Woran liegt es, dass sich Menschen in einer Partnerschaft beide nicht geliebt fühlen und meinen, dass der andere etwas anders tun muss? Das liegt daran, wenn jeder in seiner Sprache spricht. Dafür ein paar Beispiele: 

Zeit zu zweit vs. Zärtlichkeit

Jemand, dem Zeit zu zweit wichtig ist, guckt abends auf dem Sofa mit seinem Schatz zusammen eine DVD. Ihm ist dabei wahnsinnig wichtig, dass der andere wirklich nicht nebenbei an seinem Handy daddelt, sondern sich auf den Film konzentriert. Weil man dann diesen Moment zusammen teilt und sich hinterher darüber unterhalten kann und sich gemeinsam daran erinnern kann: “Weißt du noch, als wir diesen Film geguckt haben. Das war ja total spannend.”

Jemand, dem Zärtlichkeit wichtig ist, sitzt auch gern abends mit seinem Schatz auf dem Sofa und kuschelt sich an ihn. Oder lässt sich den Rücken kraulen. Dabei ist ihm nicht so wichtig, dass der andere sich auf die gleiche Sache konzentriert. Sondern ihm reicht es, einfach die körperliche Nähe zu spüren. Das füllt den Liebestank auf. Und wenn der andere halt nebenbei ein Buch liest und ich den Film gucke, dann ist das egal. 

Wenn man sich nicht bewusst ist, dass das zwei unterschiedliche Sprachen sind, dann sind letztendlich beide unzufrieden. Weil der eine sagt: “Was willst du denn? Ich habe dir hier den ganzen Abend den Rücken gekrault und du bist immer noch nicht zufrieden!” Und der Partner sagt: “Aber das wollte ich gar nicht. Ich wollte, dass du mit mir den Film guckst! Warum kannst denn Du nicht einmal das machen, was mir wichtig ist?”

Ein anderes Beispiel: 

Geschenke vs. Zeit zu zweit

Eine Mutter kommt von einer Dienstreise zurück. Sie hat zwei Kinder. Beiden hat sie ein Geschenk mitgebracht. Die eine Tochter freut sich total und ist ganz gespannt beim Auspacken und sagt: “Das ist ja ganz toll!” Sie stellt es gleich in ihr Zimmer ins Regal, freut sich daran und zeigt es jedem.

Die andere reagiert so: “Ah ja, danke.” Sie ist auch höflich. Sie hat verstanden, dass sich das so gehört. Das ist ein übliches Zeichen, um sich zu zeigen, dass man sich mag. Sie hat auch gelernt, sich zu bedanken, und dass das vom anderen so erwartet wird. Es hat aber einen ganz anderen Effekt. 

Dafür ist diese zweite Tochter aber vielleicht vom Typ Zweisamkeit und sagt: “Zeig mir doch mal die Fotos! Ich möchte so gern mehr darüber erfahren. Was hast du denn erlebt? Mensch, das ist ja total spannend.” Sie will eher jetzt die Aufmerksamkeit haben. Die Mama war lange weg, und jetzt möchte sie Zeit mit ihr verbringen. 

Wie bewertest Du, was Du bei anderen wahrnimmst?

Je nachdem, was die Mutter für ein Typ ist, sagt sie vielleicht bei dem einen Kind, das sich über das Geschenk überhaupt nicht groß gefreut hat: “Wie undankbar! Ich habe mir da so eine Mühe gemacht. Ich habe ihr extra etwas ausgesucht, und es ist ihr total egal. Sie kann das überhaupt nicht wertschätzen.” Oder wenn die Mutter eher vom Typ Zweisamkeit ist, sagt sie vielleicht zu dem Kind: “Das ist ja nur auf materielle Dinge aus! Das interessiert sich überhaupt nicht dafür, dass ich wieder da bin und hat mich wohl auch gar nicht vermisst.” 

Ist das nicht spannend, wie unterschiedlich da die Wahrnehmung ist? Dabei lieben beide Kinder ihre Mama. Und die Mama liebt auch beide Kinder. Nur sprechen sie unterschiedliche Sprachen. Wenn man sich das bewusst macht, dann ist es so viel einfacher zu sagen: “Dir habe ich eine Freude damit gemacht, dir das zu schenken, weil ich weiß, das ist das, was deinen Tank füllt, was bei dir wirklich ankommt.” Bei dem anderen Kind nehme ich mir dann bewusst die Zeit, auch wenn das vielleicht nicht meine Sprache ist, und sage: “Na klar, ich freue mich, jetzt wieder Zeit mit dir zu verbringen. Ich lasse jetzt den Koffer Koffer sein und mache auch nicht die Wäsche. Stattdessen kümmere mich um nichts anderes, sondern nehme mir die Zeit für Dich, weil ich weiß, dass Dir das wichtig ist.” 

Was ändert sich durch die 5 Sprachen der Liebe?

Ich glaube, das Bewusstsein darüber, dass es einfach unterschiedliche Arten sind, mit denen man Liebe automatisch ausdrückt, löst viele Konflikte auf. Allein das Wissen darum, was braucht der andere, um sich geliebt zu fühlen, führt dazu, dass ich mich bewusst entscheiden kann, ihm das auch zu geben. Das ist immer noch meine freie Entscheidung. Ich möchte ja mit dem Menschen eine Verbindung eingehen, eine Beziehung führen. Das heißt, wenn ich mich sowieso dafür einsetze, dass diese Beziehung gut ist, dann möchte dazu beitragen, sein Bedürfnis zu erfüllen. Das Bedürfnis ist Liebe. Nur die Art und Weise, wie der eine das erfüllt haben möchte, unterscheidet sich halt. Wenn ich das weiß, dann kann ich das ja so machen. 

Welche Sprache der Liebe sprichst Du? 

Jetzt kennst Du die 5 Sprachen der Liebe. Als nächstes möchtest Du bestimmt herausfinden, welches Deine Muttersprache ist. Denn nur wenn du das weißt, kannst du deinen Partner konkret darum bitten, in dieser Sprache mit dir zu sprechen. Sonst könnte es halt sein, dass der sich echt Mühe gibt und dir zeigen will, dass er dich liebt. Aber es geht komplett an dir vorbei. Wie tragisch! 

Jetzt fragst Du Dich sicher, wie Du Deine Sprache herausfinden kannst. Dafür kannst Du Dich selbst beobachten  

  1. Wie drückst Du instinktiv Liebe aus? Muttersprache heißt ja, das ist etwas, das mir wirklich innewohnt. Was machst du automatisch, um jemandem Deine Liebe zu zeigen? 
  2. Worum bittest du? Oder auch: Worüber beklagst Du Dich häufig? Was vermisst du am meisten, wenn du es nicht hast? 
  3. Was ist Dir in stressigen Zeiten wichtig, wenn nicht viel Zeit ist? Wenn Du Deinen Partner nur 5 Minuten zwischen Tür und Angel triffst, was ist dann das, was dir am wichtigsten ist? Was soll der andere tun? Soll der dann noch mal eben schnell dein Hemd aus der Reinigung holen? Möchtest Du in den Arm genommen werden? Oder soll er dir mal 5 Minuten zuhören oder dir etwas erzählen von seinem Alltag? Wäre dir am wichtigsten, dass er dir eine Rose mitbringt? Oder dass er dir sagt, wie toll du bist? Wenn nur noch wenig Zeit ist, was ist das, das dir am allerwichtigsten ist? Was bei dir wirklich ankommt. Was bei dir das meiste auslöst. 

Die Sprache Deines Partners herausfinden

Diese Dinge kannst Du auch bei Deinem Partner beobachten. Menschen können grundsätzlich alle Sprache erlernen. Denn Hilfsbereitschaft erfüllt ja jetzt nicht nur ausschließlich das Bedürfnis nach Liebe, sondern auch nach Unterstützung, eine Balance von Geben und Nehmen, Gleichverteilung der Aufgaben oder Effektivität. Bei Kindern gibt es entwicklungsbedingt Phasen, in denen eine Sprache im Vordergrund steht, z.B. Körperkontakt bei Babys. Ab dem Grundschulalter kristallisiert sich dann die eigene Muttersprache heraus. Um diese herauszufinden, kannst Du auch eine über einige Woche besonders häufig sprechen und die Reaktion beobachten. 

Wenn Du das herausgefunden hast, dann kannst du dir konkret überlegen, wie kann der andere dir das erfüllen? Was wünschst du dir? Die Erfahrung zeigt, dass Menschen gern zum Wohlergehen anderer beitragen. Dein Partner will dir ja zeigen, dass er dich liebt. Wenn er ganz konkret weiß, wie er das tun kann, ist es für ihn viel einfacher. Dann fühlst du dich geliebt, und dadurch erwächst natürlich gleichzeitig auch wieder mehr Kraft, den anderen auch sich geliebt fühlen zu lassen.

 

Wenn Du mehr über Deine Sprache der Liebe herausfinden möchtest, empfehle ich Dir das Buch von Gary Chapman (*affiliate link) Auf seiner Webseite kannst Du auch einen Test machen, um Deine Liebessprache herauszufinden.