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Kann man voraussagen, ob ein Paar zusammenbleibt oder sich trennt? Ja! Der Psychologe und Paartherapeut John Gottman beobachtet 15 Minuten lang, wie ein Paar miteinander redet. Dann kann er vorhersagen, welches Paar zusammen bleibt und welches sich trennen wird – mit einer sagenhaften Trefferquote von 83 Prozent!

Die Formel für langfristiges Beziehungsglück lautet 5:1

Berühmt geworden ist er für die sogenannte Gottman-Konstante. Gottman führte umfangreiche Studien durch, in denen er die Kommunikation von Paaren analysierte. Dabei stellte er fest, dass erfolgreiche Paare ein deutliches Ungleichgewicht zwischen positiven und negativen Interaktionen in ihrer Beziehung aufwiesen. Das Verhältnis von mindestens 5 zu 1 bedeutet, dass es für jeden negativen Austausch oder Konflikt mindestens fünf positive Interaktionen geben sollte. Das gilt übrigens auch für den Umgang mit deinen Kindern oder in Freundschaften: Wir brauchen fünf gute Erlebnisse miteinander, um ein schlechtes auszugleichen.

Bei einer Rate von 1:1, also genauso vielen negativen wie positiven Interaktionen hingegen steht das Paar schon kurz vor der Trennung! Obwohl immer noch die Hälfte des Austauschs gut ist! „Es gibt aber noch schöne Momente“ reicht eben nicht aus.

Positive Interaktionen können zum Beispiel Komplimente, Zuneigung, Unterstützung oder gemeinsame Freizeitaktivitäten sein. Sie stärken das Vertrauen, die Verbundenheit und das Wohlbefinden in der Beziehung. Negative Interaktionen hingegen umfassen kritische Äußerungen, Streit, Verachtung oder Zurückweisung, die das Beziehungsgefüge belasten und zu Konflikteskalation führen können. Einige Faktoren sind besonders schlimm:

Die vier apokalyptischen Reiter

John Gottman beschreibt vier Faktoren, die seiner Meinung nach so negativ wirken, dass eine Beziehung dadurch mit großer Wahrscheinlichkeit dauerhaft zerstört wird. Er nennt sie die „Vier Apokalyptischen Reiter“, nach den berühmte Reitern der Apokalypse in der Bibel, wo sie das Ende der Menschheit ankündigen. 

Die 4 apokalyptischen Reiter laut Gottman sind: Kritik, Rechtfertigung, Verachtung und Mauern. Später kam noch ein fünfter Reiter dazu: Machtdemonstration.

Apokalyptischer Reiter Nr. 1: Kritik „Was stimmt nicht mit dir?!“

Menschen machen ständig Dinge, die andere Menschen blöd finden. Es ist völlig normal, dass in einer Beziehung beide Partner gelegentlich Beschwerden über den anderen haben. Aber es ist entscheidend, ob es sich dabei um eine einfache Beschwerde oder um eine destruktive Kritik handelt. Eine Beschwerde bezieht sich auf einen spezifischen Vorfall oder ein bestimmtes Problem, bei dem einer der Partner in den Augen des anderen einen Fehler gemacht hat. Bei destruktiver Kritik hingegen kommen Abwertungen und hässliche Kommentare über den Charakter oder die Persönlichkeit des Partners ins Spiel.

Beschwerde: „Wir hatten vereinbart, dass du einkaufen gehst, bevor dein Kind kommt. Jetzt ist Abendbrotzeit und der Kühlschrank ist leer.“

Destruktive Kritik: „Du bist immer so unzuverlässig und ich hasse es, in letzter Minute einkaufen zu müssen, ohne Einkaufsliste, wenn die Geschäfte voll sind. Du vergisst immer alles und es ist dir völlig egal.“

Bei einer Beschwerde geht es um ein konkretes Verhalten. Destruktive Kritik hingegen bläst das Problem unnötig auf, indem Schuldzuweisungen gemacht werden und eine allgemeine Verurteilung des Partners stattfindet. Laut Gottman kann jede Beschwerde in eine Kritik umgewandelt werden, indem man den Satz hinzufügt: „Was stimmt nicht mit dir?“

Die 4+1 Apokalyptischen Reiter wohnen im Keller der Beziehung.

Durch Kritik wird buchstäblich die Tür zum dunklen Beziehungskeller geöffnet. Statt in der gemütlichen Wohnzimmer-Komfortzone landet das Paar ruckzuck im vermoderten Verlies. Wir wissen, dass wir besser nicht durch diese Tür gehen sollten – aber von Zeit zu Zeit passiert es eben doch. Sobald einer die Tür öffnet, entsteht eine Sogwirkung. Ein Apokalyptischer Reiter führt sozusagen zum nächsten.

Auf Kritik folgt fast immer Gegen-Kritik oder eine Rechtfertigung.

Apokalyptischer Reiter Nr. 2: Rechtfertigung „Ja, aber…“

Es ist völlig normal, sich zu verteidigen, wenn man sich angegriffen fühlt. Allerdings ist dies in solchen Situationen oft gar nicht hilfreich. Wenn man versucht, sich zu verteidigen und seine eigene Sichtweise zu erklären, fühlt sich der andere gleich mal übergangen, weil seine Kritik nicht angemessen berücksichtigt wird (ob sie nun berechtigt ist oder nicht). Indem man sofort in den Verteidigungsmodus wechselt, kann man nicht genau herausfinden, was den anderen wirklich stört.

Es ist wichtig, zuerst die Verletzung anzuerkennen und anzugehen. Ob dein Partner überreagiert hat und ob du das akzeptieren kannst, könnt ihr später noch besprochen. Wenn du sofort in die Abwehr gehst, gibst du deinen Partner das Gefühl, dass du ihn nicht ernst nimmst. In der Hoffnung, Gehör zu finden, geht er dann vielleicht noch einen Schritt weiter und legt eine Schippe drauf. Zack, eskaliert der Konflikt. Dafür reichen wenige Sätze.

In der Hitze des Streits können euch beiden Dinge herausrutschen, die ihr später bereut. Deshalb wartet lieber, bis sich die Wogen etwas geglättet haben, um dann später darauf zurückzukommen. Natürlich sollte man den Ärger auch nicht tagelang in sich hineinfressen.

Übrigens erkennt man eine Verteidigung oft an der Satzkonstruktion „Ja, aber…“ den Signalwörtern „immer“ und „nie“, sowie der Formulierung „Stimmt doch gar nicht!“ Spätestens dieser Satz ist eine Garantie, um den anderen endgültig aus der Fassung zu bringen.

An diesem Punkt kann man noch relativ leicht Beziehungsmuster erkennen und verändern, zum Beispiel durch neue Kommunikationswege, wie wir sie im Patchwork Power Kurs lernen.

Apokalyptischer Reiter Nr. 3: Verachtung „Blablabla…“ 🙄

Verachtung hat in einer Beziehung eine verheerende Wirkung. Anstatt zur Lösung von Problemen beizutragen, führt sie automatisch zu Konflikten. Wenn ein Partner das Gefühl hat, verachtet zu werden, wird es nahezu unmöglich, eine gemeinsame Lösung zu finden.

Sie ist der gefährlichste der vier Reiter und äußert sich durch Sarkasmus, Ironie, Spott und Zynismus. „Blablabla, mimimi, nicht die Leier schon wieder…“ Außerdem gehören Eigenheiten wie Fluchen, Augenrollen, Spott und jede Art von respektlosem, verächtlichem Humor in diese Kategorie.

Verachtung ist wie ein Fass, das langsam gefüllt wird. Jedes Mal, wenn schwierige Fragen ignoriert, Probleme vermieden oder Gefühle unterdrückt werden, sammelt sich das an. Im Laufe der Zeit häufen sich vieler scheinbar kleine Vorfälle immer weiter an. Ein vermeintlich unbedeutender Tropfen kann dann das Fass zum Überlaufen bringen und Verachtung auslösen. Manchmal sind auch Erfahrungen aus der Kindheit dafür verantwortlich, dass man dieses Verhalten unreflektiert übernimmt.

Reagiert unbedingt, bevor die negativen Emotionen das Fass zum Überlaufen bringen. Dafür hilft es, belastende oder problematische Themen frühzeitig anzusprechen, vielleicht sogar in einem Paarcoaching.

Apokalyptischer Reiter 3: Verachtung. Irgendwann ist das Maß voll. Ein hingehaltenes Glas läuft über.
Irgendwann ist das Maß voll.

Apokalyptischer Reiter Nr. 4: Mauern 🙅

In einem normalen und ungezwungenen Gespräch zwischen Menschen signalisieren wir über unsere Körpersprache, dass wir zuhören. Nicken, ein offener Blick und kurze Äußerungen wie „Ja“, „Verstehe“ oder „Hmm“ zeigen, dass wir noch aktiv dabei sind.

Wenn jedoch ein Diskussionspartner mauert, bleibt er stumm und sitzt regungslos da. Es scheint, als ob ihm das Gesagte und der Sprecher gleichgültig sind. Als Kind haben wir uns die Ohren zugehalten und „lalalalaaaa“ gesungen. Die „erwachsene“ Variation davon zeigt sich in der Körpersprache: Es gibt keine positiven Signale, möglicherweise schaut die Person weg, aus dem Fenster, auf die Uhr oder auf den Boden. „Dann sage ich eben gar nichts mehr!“ Diese Haltung von Rückzug und Abgrenzung kennst du schon aus dem Stiefmutter-Hamsterrad.

Alternativ zieht sich der Partner komplett zurück und verlässt den Raum, das Haus oder reagiert einfach nicht mehr. Der andere bleibt im ekligen Keller alleine zurück und muss damit klarkommen – entweder durch eigenes Mauern oder eine Überkompensation: Hinterherlaufen, festhalten, (gefühlte) Türen einschlagen.

Das Phänomen des Mauerns tritt in der Regel erst im späteren Verlauf einer Beziehung auf. Spätestens jetzt muss man reagieren, sonst ist die Beziehung definitiv zum Scheitern verurteilt.

Apokalyptischer Reiter Mauern zeigt sich durch Ohren zuhalten.
Ein (inneres) Kind hält sich die Ohren zu – so geht Mauern.

Apokalyptischer Reiter Nr. 5: Machtdemonstration

Ursprünglich waren es nur vier apokalyptische Reiter, die Beziehungen zum Abgrund führten. Doch dann erkannte der renommierte Beziehungsexperte John Gottman, dass es noch einen weiteren Reiter gibt, der nichts Gutes verheißt: die Machtdemonstration!

Wenn du zur Machtdemonstration greifst, zeigst du deinem Partner unmissverständlich, dass du ab diesem Moment keine Rücksicht mehr auf ihn nimmst. Keine Kompromisse, keine weiteren Verhandlungen. Du provozierst Ärger, schürst Streit und verletzt deinen Partner bis ins Mark. Du signalisierst ihm, dass seine Bedenken dir schnurzpiepegal sind und dass du jegliches Interesse an ihm verloren hast.

Es ist ein egoistischer Akt, der deiner Partnerschaft einen verheerenden Schlag versetzt. Eine Beziehung lebt von Geben und Nehmen, von Kompromissen und Verständnis. Doch die Machtdemonstration ist das genaue Gegenteil davon: Sie zerschmettert jegliche Harmonie. Wenn:

  • gar nicht mehr miteinander gesprochen wird
  • jede Aktion eine Kriegsführung ist
  • ihr euch gefühlt ständig unten dem Keller aufhaltet
  • eine dauerhafte Feindseligkeit spürbar ist

Früher oder später führt das zum Ende eurer Beziehung.

Hat eine Beziehung in diesem Stadium noch eine Chance? Ja, aber sie braucht ein starkes Commitment beider Partner.

Es ist unwahrscheinlich, dass ihr es ohne Hilfe von Außen miteinander geregelt bekommt, wieder auf Respekt, Verständnis und echte Kompromissbereitschaft zu setzen. Ein Mediator oder Beziehungscoach hilft, scharfe Formulierungen zu übersetzen und neue Verletzungen zu vermeiden. Denn nur so kann eure Liebe sich wieder erholen und neu gedeihen. Meine freien Termine findet ihr hier.

Teile diesen Artikel mit allen, die ihn lesen sollten, und lass uns gemeinsam gegen die apokalyptischen Reiter in unseren Beziehungen ankämpfen!

PS: Die vier apokalyptischen Reiter gibt’s auch bei Social Media:

Es handelt sich eindeutig um Brötchen, Kreppel, Mohrrüben und Buletten. Oder? ODER???

Abgemeldet, wenn die Kinder kommen?

 

25 Ideen für Patchwork-Paare, die auch am Kinder-Wochenende funktionieren.

 

Denn: Paarzeit ist kein To-Do - es ist ein Must-Have!

Das hat geklappt!

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