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Die Frage “Wer ist Schuld?” haben wir uns wahrscheinlich alle schon einmal gestellt. Das kennt man ja. Entweder man bekommt es selbst zu hören. Wenn sich Kinder beschweren wollen, sagen sie manchmal als Einleitung: “Aber Du hast doch…” oder “Ich mache das doch nur, weil Du…” Oder man sagt selbst: “Was war denn hier eigentlich los? Wer hat denn Schuld?”

(Das Video stammt von einem Live aus der Facebook-Gruppe Patchwork auf Augenhöhe – Entspannt Stiefmutter sein mit Marita Strubelt. Du bist herzlich eingeladen!)

Schuld sein – Das Denken von Richtig und Falsch

Das Denken, das dahinter steckt, ist ja, dass jemand etwas falsch gemacht hat. Es gibt etwas Richtiges und etwas Falsches und jemanden, der entscheidet, was richtig und was falsch ist. Dann gibt es halt auch dieses Konzept von “jemand hat etwas falsch gemacht und hat demnach Schuld.” Dann ist natürlich die Frage, wie wir damit umgehen. Wir können darauf herumdenken und sagen: “Dann muss er sich jetzt ent-schuld-igen.” Auch ein sehr skuriles Wort! Wenn man tatsächlich Schuld hat, bedeutet das irgendwie, dass man sich selbst wieder von dieser Schuld befreit. Wenn man so genauer darüber nachdenkt, finde ich dieses Konzept ganz schon skuril. 

Schuld, Scham und Depression

Was auch passiert ist, dass man die ganze Zeit das Problem, um das es geht, wälzt und sich gedanklich darin suhlt, wie schlimm und schrecklich etwas ist. Dass jemand anderes etwas falsch gemacht hat. Oder man selbst. Dann richtet man die Schuld nach innen. Das ist das Konzept von Scham, sich schämen. Man sagt vielleicht auch manchmal: “Schäm Dich! Du hast da etwas falsch gemacht!” Also selbstzerstörerisch. Das kann dann bis in die Depression führen. Das ist das Konzept: Ich bin so schlecht. Ich habe etwas falsch gemacht und mache mich die ganze Zeit selbst dafür verantwortlich. Da merkst Du, was für ein zerstörerischer Prozess das ist. Den kann man gar nicht auflösen. Wenn jemand Schuld ist oder man denkt, man sei selbst Schuld – wie will man da wieder herauskommen? 

Schuld und Ent-schuldigen

Das ist ein grundsätzlich anderes Denken. Wir haben das jahrelang so gelernt. Irgendjemand hat Schuld. Mich regt es ganz doll auf, wenn meine Kinder das aus dem Kindergarten so mitbringen. Dieses Entschuldigen. Jetzt hat er sich entschuldigt. Dann ist es doch auch wieder gut. Aber vielleicht ist es ja in dem Moment für den anderen gar nicht gut. Da merkt man, dass so eine Entschuldigung oft eine leere Worthülse ist, die gar nichts bedeutet. Dann sagt man: “Du meinst das gar nicht ernst!” Wer bewertet das denn wieder? Ich finde, je mehr man sich damit beschäftigt, desto mehr merkt man, dass das zu gar nichts führt. 

Schuld als Gedankenkarussell

Es ist ein Gedankenkarussell. Dieses Wort finde ich sehr treffend. Man wälzt es die ganze Zeit herum und hat Bewertungen und Urteile im Kopf. Aus der Schuld leitet sich auch etwas ab. Der Schuldige gehört dann in irgendeiner Form bestraft. Jetzt kennt man dieses Wort “Konsequenz”, die dann folgen muss. Das ist alles auf dem Gedankenkonstrukt aufgebaut, dass jemand anderes falsch ist, so wie er ist. Ich glaube nicht, dass jemand irgendetwas aus bösen Absichten tut. Weil er ein böser Mensch ist. Weil er mich ärgern will. Oder weil er irgendwelchen niederträchtigen Ziele damit verfolgt. Sondern ich glaube, dass er sich selbst etwas Gutes tun will. Er handelt aus einem Bedürfnis heraus. Deshalb macht er das. Für sich. Damit löst sich das ganze Schuld-Denken auf. 

Ein anderer Gedankenansatz

Das ist eine grundsätzlich andere Sichtweise. Die Entscheidung von “Einer hat hat Recht und einer hat Unrecht, einer ist richtig und einer ist falsch” hin zu “Beide handeln aus einem guten Grund heraus”. Bin ich bereit, meine Sichtweise zu ändern? Kann ich das akzeptieren oder annehmen, es mal anders sehen zu wollen? Das ist eine Entscheidung, die ich treffe, denn über meine Gedanken entscheide ich selbst. Das ist ja auch neurobiologisch bewiesen: Dem Gefühl geht immer ein Gedanke voraus. Ich denke etwas – und deshalb fühle ich etwas.

Die Kindsmutter macht etwas, ich denke darüber etwas – und dann habe ich eine Wut im Bauch. Das liegt aber daran, was ich denke. Wenn ich sage “Naja, dann macht sie es halt!” oder wenn ich frage “Warum macht sie es denn? Was steckt denn bei ihr dahinter?” und ich kann irgendwie sehen, sie will beitragen, vielleicht sich einfach selbst nicht damit beschäftigen. Vielleicht hat es etwas mit Leichtigkeit zu tun. Wenn ich das sehe kann, komme ich raus aus dem Gedanken, der mich immer nur das Problem anschauen lässt. 

Werte statt Bewertungen

Das ist der Punkt, an dem ich wieder die Kontrolle übernehmen kann. Solange ich mich entscheide, in diesem Denken zu sein, kommt mein Gehirn da nicht raus. Es dreht sich immer nur um das Problem. Es geht um eine Bewertung, die ich habe. Das führt zu Rechthaberei und der Tendenz zu bestrafen. Oder wenn jemand etwas “gut” gemacht hat, zu belohnen. Das ist ja die andere Seite der Medaille. Wenn ich stattdessen meinen Fokus nicht auf die Bewertungen sondern auf die Werte richte – was ist mir wichtig? worum geht es mir? – dann komme ich da raus. Dann führt mein Denken zu Aktivitäten und zu Bitten, die Bedürfnisse erfüllen. Das ist ein Weg. Das ist ein Prozess. Da geht es um die Verbindung. Da geht es um Beziehung. Da wollen wir ja hin! 

Das Verbindende betonen

Schuld-Denken ist immer rückwärts gerichtet. Das Problem ist ja gelaufen. Sich jetzt darüber zu streiten, führt überhaupt nicht weiter. Es führt vor allem dazu, dass die Beziehung abgebrochen wird. Die Bewertung “Jemand hat etwas falsch gemacht” hören wir Menschen nicht gern, weil wir ja aus einem guten Grund handeln und uns wünschen, der andere würde das sehen. In dem Moment, wo ich das als Aufhänger für ein Gespräch nehme – ich will ja den Konflikt klären und sage, wir müssen die Schuldfrage klären – betone ich das, was uns trennt. Vielleicht sagt der andere “Das habe ich nicht gemacht”. Oder vielleicht sogar “Ich entschuldige mich”, aber er fühlt sich schlecht dabei. Dann ist keine Augenhöhe da. Was wir ja wollen, ist, die Beziehung herzustellen. Es geht in erster Linie um die Verbindung, damit sich daraus etwas entwickeln kann.

Wenn ich wohlwollend nach den guten Gründen suche, betone ich das, was uns verbindet. Wenn ich den anderen und seine guten Gründe verstehe, und er das sieht – in dem Moment versucht er das auch. Der Mensch ist einfach so angelegt. Der möchte beitragen und in Verbindung bleiben. Die Handlungen, die dem entgegenstehen, sind eine Folge davon, dass der andere einen Vorwurf hört und in den Widerstand geht. Das heißt, es liegt an uns zu sagen, was wir wollen. Wollen wir das Trennende betonen oder das Verbindende?

Wir sind selbst so aufgewachsen. Wir haben das jahrelang gehört und uns selbst gesagt. Es ist eine Herausforderung, es anders zu machen. Aber es lohnt sich, weil es so viel ändert und diesen Weg frei macht. 

Willst du Recht haben oder glücklich sein?

Dieses schöne Zitat möchte ich euch noch mitgeben. Es ist von Marshall Rosenberg, der die Gewaltfreie Kommunikation begründet hat. “Willst Du Recht haben oder glücklich sein? Beides zusammen geht nicht.” Das ist genau der Punkt. So oft sagen wir: “Das ist mein gutes Recht! Ich habe Recht! Sie ist falsch. Sie hat Schuld!” Das ist genau die Frage: Halte ich daran fest? Was habe ich davon? Oder will ich glücklich sein? Will ich fragen: Worum geht es mir denn eigentlich? Wie kann ich dafür sorgen, dass ich das bekomme, was ich brauche? Dafür ist es vielleicht auch hilfreich zu schauen: Worum geht es dem anderen? Was braucht er? Dann sind wir nämlich da, wo wir Lösungen finden und wo wir entspannt sein können – und letztendlich glücklich. 

Willst Du Recht haben oder glücklich sein? Nimm diese Frage für Dich mit. Wenn Du das nächste Mal ins Denken kommst “Ich habe aber Recht und der andere hat Schuld” – dann atme mal tief durch und schaue mal, was du gerade denkst und ob du das aktiv anders machen möchtest. 

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