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Last Updated on 19. September 2021 by Marita

Wie im letzten Blogartikel Die Heldenreise – Beginne Dein Patchwork Abenteuer beschrieben, durchläuft jede persönliche Entwicklung bestimmte Phasen: Deine persönliche Entwicklung nenne ich auch Heldenreise. Der große Bogen sind dabei die drei Akte: Aufbruch, Reise und Rückkehr. Auf jedem Abschnitt deiner Heldenreise sind unterschiedliche Dinge erforderlich. 

Hier geht es um den 1. Akt an mit den Phasen 

  1. Gewohnte Welt
  2. Ruf des Abenteuers
  3. Verweigerung
  4. Überschreiten der ersten Schwelle
Die Patchwork-Heldenreise – 1. Akt: Aufbruch – Für das Ziel entscheiden

Heldenreise 1. Akt: Aufbruch – Für das Ziel entscheiden

Wenn plötzlich etwas passiert, was Dich aus Deiner gewohnte Routine herausreißt (z.B. lernst Du einen unglaublich tollen Mann kennen, der halt schon ein Kind hat 😉 ), kommt dein inneres System aus dem Gleichgewicht. Dein Alltag als Businessfrau, Single oder alleinerziehende Mutter ist Dir vertraut. Einen Partner zu haben, der eigene Vorstellungen von Erziehung und Zusammenleben mitbringt, neue Kinder mit ihren Eigenarten und Expartner, die mitmischen – das alles ist neu und ungewohnt. 

Die natürliche Reaktion auf Veränderung ist, nach Sicherheit und Stabilisierung zu suchen, um sich wieder zu orientieren. Je mehr Unsicherheit es im Außen gibt, desto wichtiger wird die Stabilität in Dir selbst. Darum geht es im ersten Akt. Lies zunächst mehr über die einzelnen Phasen. Am Ende des Artikels erfährst Du, welche Tools und Techniken Dir dabei helfen, den ersten Abschnitt der Reise zu meistern. 

Phase 1 – Gewohnte Welt

Alle Geschichten haben etwas gemeinsam: Alles beginnt in einer alltäglichen und vertrauen Umgebung. Meine Heldenreise als Stiefmutter startet 2009. Zu diesem Zeitpunkt bin ich Single, habe einen Job, der mir Spaß macht, Freunde, Hobbys und meine eigene kleine Wohnung. 

In der gewohnten Welt kennst du die Regeln und hast Deinen Platz gefunden. Allerdings gibt es einen gefühlten Mangel. Du bist eben nicht 100% zufrieden. Vielleicht fühlst Du Dich manchmal einsam, sehnst Dich nach einer Beziehung, bist gelangweilt und möchtest eine neue Herausforderung oder spürst einfach, dass das doch nicht alles gewesen sein kann. Deshalb hat die neue Welt des Abenteuers einen gewissen Reiz

Die gewohnte Welt und die Welt des Abenteuers stehen sich sozusagen gegenüber, oft sogar mit einem sehr starken Kontrast. Gerade weil die gewohnte Welt gefühlt nicht perfekt ist, bist Du offen für die nächste Phase. Manchmal kommt das Abenteuer auch unfreiwillig zu dir. Heldenreisen können mit einer Kündigung, dem Ende einer Beziehung oder einer Krankheit genauso beginnen wie mit einem Umzug in eine neue Stadt, einer Beförderung oder einer neuen Beziehung. Entscheidend ist eben nicht, was dir im Außen passiert, sondern wie Du innerlich damit umgehst. Spitz mal die Ohren. Hörst Du ihn schon, den Ruf des Abenteuers?

Phase 2 – Der Ruf des Abenteuers

„Into the Unknown“, „Auf ins Unbekannte“ singt Elsa in Die Eiskönigin 2 vom Balkon ihres Königspalastes in die Nacht hinein, als Antwort auf den mystischen Gesang, der sie aus weiter Ferne zu rufen scheint – und den nur sie hört. 

Dies ist der Ruf des Abenteuers – die Aufforderung, das Bekannte zu verlassen und sich in die unbekannte, neue Welt des Abenteuers zu wagen. 

“Marita, hast Du schon gehört? Matthias ist wieder Single.”

“Na und, der ist doch viel zu alt für mich und außerdem hat er schon ein Kind!”

An meiner Reaktion sieht man: Phase 2 und 3 hängen eng zusammen. Auf den Ruf des Abenteuers folgt typischerweise die Verweigerung. So wie Elsa in dem Lied singt: „Ja, ich hör dich – sei doch still!“ 

Wenn alles einfach und klar wäre, wäre es ja kein echtes Abenteuer. Das Kribbeln im Bauch, die Unsicherheit, was richtig und falsch ist, all das gehört zum Weg dazu. Da ist eine Sehnsucht in Dir, die Dinge zu leben, die in Deiner gewohnten Welt nicht oder gefühlt zu wenig vorkommen. Als Single sehnst Du Dich nach Gemeinschaft und Liebe. Vielleicht möchtest Du mehr Leichtigkeit, statt immer nur auf die Regeln zu hören oder es geht Dir darum, aus dem Stress und dem Rennen im Hamsterrad in den inneren Frieden zu kommen.

Gleichzeitig ist da eine Angst, die gewohnte Welt zu verlassen. Deshalb brauchst Du Sicherheit als Ressource in Dir. Außerdem darfst Du wissen: Es geht nicht darum, einen Teil komplett aufzugeben und bestimmte Bedürfnisse zukünftig gar nicht mehr zu haben. Vielmehr ist das Ziel der Reise, beide Pole miteinander zu verbinden. Doch dazu mehr in den hinteren Phasen der Reise (10-12)… 

Der Ruf kann übrigens auf ganz unterschiedliche Arten erfolgen. In Erzählungen gibt es meistens einen Herold, eine Figur, die dem Helden die Herausforderung ankündigt. In meinem Fall war es ein Freund, der mir den Floh ins Ohr gesetzt hat. Harry Potter hat einen Brief erhalten, Wall-E fand eine Pflanze, Pretty Woman wurde ins Auto eingeladen und in Star Wars IV taucht Obi-Wan Kenobi auf. Genauso kann die Idee aus dem Inneren heraus entstehen (ähnlich wie bei Elsa), in Form eines Traums oder eines Gedankens. 

Welches war Dein Ruf? Erzähl es in den Kommentaren! 

Phase 3 – Verweigerung

“Lieber das bekannte Unglück als ein unbekanntes Glück” lautet ein vielzitierter Ausspruch. 

Es ist tatsächlich so, dass viele Menschen im Elend hocken bleiben, obwohl sie leiden und es doch anders haben könnten. Mal Hände hoch bzw. Hand aufs Herz: 

  • Wer ist alles unzufrieden in seinem Job? 
  • Wer würde gern etwas anderes tun als jetzt im Moment? 
  • Wer denkt das schon lange, hat aber bisher trotzdem nichts geändert? 

Wären wir in einem Seminar zusammen, würden sicherlich viele Finger hochgehen. Wir kennen das alle. Das Glück winkt uns sozusagen zu, aber wir trauen uns nicht, es zu ergreifen und den nächsten Schritt zu tun. 

Warum eigentlich? Wieso bleiben wir lieber in Beziehungen, die uns nicht gut tun und Firmen, deren Chef nicht unseren Wünschen entspricht, statt etwas zu verändern? 

Dafür gibt es eine logische Erklärung: Unser Gehirn. Die Evolution hat uns darauf programmiert, im Status Quo stecken zu bleiben. Denn mit den gewohnten Regeln haben wir schon 1000 Jahre überlebt und wissen, dass wir davon nicht sterben. Etwas anders zu machen, ist potenziell tödlich und gefährlich. Anders ausgedrückt, Dein Gehirn ist nicht darauf ausgelegt, dass Du glücklich bist, sondern schlicht, dass Du überlebst. 

Photo by Robina Weermeijer on Unsplash

Deshalb ist es absolut wichtig und sozusagen lebensnotwendig, dass wir zögern. Die meisten Menschen stürzen sich nicht blindlinks in das nächste Abenteuer. Das ist ein Zeichen von Vernunft. Den Ist-Zustand kennen wir und können damit leben, wenn wir so weitermachen. Das Neue kennen wir nicht, deshalb haben wir davor Angst. Neues erstmal abzulehnen ist eine völlig natürliche Reaktion. 

Als ich Matthias kennengelernt habe, kam ein Mann mit Kind in meinem bisherigen System einfach nicht vor. Ich hatte noch keine eigenen Kinder und außerdem ein Disney-geprägtes Bild vom Prinzen auf dem weißen Pferd (oder so ähnlich). 

Dass sich etwas in uns sträubt, ist auch ein Indikator dafür, wie gewichtig diese neue Aufgabe ist. Wenn alles durchgeht wie ein warmes Messer durch Butter, ist es eben auch langweilig. Ich sage nicht, Du solltest blind auf Vorteile zu vertrauen und Dir alles Neues schönzureden (Stichwort rosarote Brille). Vielmehr geht es um Sicherheit im System. 

Was hindert Dich daran, den nächsten Schritt zu tun? 

Phase 4 – Überschreiten der ersten Schwelle

Die 4. Phase beschreibt den Übergang vom 1. zum 2. Akt, also das Ende der gewohnten Welt und den Beginn des Aufbruchs in eine neue Realität. 

Mit Matthias traf ich mich fast ein halbes Jahr lang, bevor ich die Entscheidung gefällt habe, dass wir nun tatsächlich “zusammen” sind. In mir waren viele Fragen: Von seiner Ex hat er sich getrennt, obwohl sie ein Kind zusammen haben. Wie ernst meint er es mit mir? Die Umgangsregelung blockiert die Hälfte alle Wochenenden, Urlaube und Feiertage. Wo bleibt da noch Zeit für uns? Als Mutter seines Kindes wird die Ex immer ein Bestandteil unseres Lebens sein. Wie kann ich damit leben, dass immer eine fremde Frau präsent ist? Will ich wirklich “Stiefmutter” sein? Kann ich das schaffen? 

Je größer die Diskrepanz, der Unterschied zwischen den Welten ist, desto interessanter schwieriger ist die Entscheidung – und desto spannender ist die Geschichte. Warum wollte man im ersten Schritt nicht aufbrechen? Meistens trägt man einen inneren Konflikt mit sich, der einen daran hindert. 

Es braucht Mut, um diese erste Schwelle zu überschreiten. Oft begegnet man einem “Schwellenhüter” in sich selbst oder den äußeren Umständen, mit dem man umgehen muss. Die Angst vor der Reaktion verhindert, dass man aufbricht. Da braucht es innere Klarheit, Sicherheit und Reflexion: Woher komme ich? Was ist mein inneres Problem? Was muss ich überwinden? Lohnt es sich? Welche Reise trete ich an und welche nicht? 

Es geht darum, zu entscheiden und abzuwägen. Ist es das Wert? Muss ich aus meiner Komfortzone raus oder nicht? Und hat sich das Herz schon entschieden und nur der Kopf hängt hinterher? 

Sebastian Fitzek sagt zu dem Thema: “Im Zweifelsfall sollte man immer die Reise antreten. Denn das ist es, was das Leben in Bewegung hält. Stillstand ist der Tod.”

Packliste für den 1. Akt der Reise

  • Gedankenkarussell stoppen (Das Stiefmutter-Hamsterrad kommt Dir bekannt vor, oder?)
  • Klarheit über deine persönlichen Werte (und die deines Partners) 
  • Übersetzung in Bedürfnisse
  • aus der Abgrenzung in die Selbstfürsorge gehen
  • Wie entstehen Gefühle
  • Akutstrategien bei Wut und Ärger

Ein guter Reiseführer ist übrigens das Buch Patchwork Power! Oder Du gehst mit ein paar Weggefährten die nächsten Schritte gemeinsam, das machen wir im Kurs.

Weiter geht es im 2. Akt mit dem nächsten Teil der Heldenreise.