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„Gehen oder bleiben? Marita, woher weiß ich, wann sich das alles nicht mehr lohnt und ich mich besser trennen sollte?“

Wenn du dir diese Frage stellst, hast du vermutlich schon eine ganze Menge mitgemacht. Die meisten Beziehungen fangen rosarot, voller Euphorie und guten Vorsätzen an. Als ich Stiefmutter geworden bin, war das jedenfalls so. Ich liebe diesen Mann und mag Kinder – wie schwer kann das schon werden?

Nach etlichen Runden Stiefmutter-Hamsterrad, ist irgendwann der Punkt erreicht, wo man sich fragt: Gehen oder bleiben? Wichtig zu wissen: Die Option, die Beziehung zu beenden, gibt es! Viele Probleme und Herausforderungen kann man lösen, einige aber nicht. Commitment bedeutet nicht, auf Gedeih und Verderb in der Beziehung bleiben zu müssen. Es gibt Situationen, in denen es besser ist, die Beziehung zu beenden.

Welche das sind? Das findest du mit diesen Fragen heraus.

Wann ist es besser, sich zu trennen?

Es gibt No-Gos in Beziehungen, die in aller Regel bedeuten „Das geht gar nicht!“. Manchmal wollen wir diese nicht wahrhaben, suchen Erklärungen oder Rechtfertigungen und reden uns die Sache schön. Das bringt auf lange Sicht aber nichts. Deshalb hier ganz klar und unverblümt die wichtigsten K.-o.-Kri­te­ri­en.

Hat es in eurer Beziehung mehr als einmal körperliche Gewalt gegeben?

„Ihm ist die Hand ausgerutscht.“, „Er hat zu viel getrunken, dann ist er öfter mal aggressiv.“, „Er hat gesagt, das kommt nie wieder vor.“

Halt, Stop! Bei körperlicher Gewalt lasse ich keine Ausreden und Erklärungen gelten. Sicherheit geht vor. Egal wie groß die „Liebe“ ist, wenn es in eurer Beziehung schon wiederholt zu Handgreiflichkeiten gekommen ist, solltest du dich trennen.

Zögere nicht und hol dir Hilfe und Unterstützung:

Gewalt geht zum Teil mit Drogenkonsum einher, sei es Alkohol oder andere Rauschmittel. Als Partner rutscht man dann in eine Co-Abhängigkeit, macht Hochs und Tiefs mit und fühlt sich häufig hilflos. Es mag ehrenhaft sein, seinen Partner bei Therapie und Entzug zu unterstützen, gleichzeitig musst du das nicht machen. Wenn du merkst, dass es dir zu viel ist, darfst du die Beziehung beenden und dir Unterstützung bei einer Alkoholberatung holen.

Bist du an dem Punkt angelangt, dass du, wenn dein Partner etwas sagt, gewöhnlich davon ausgehst, es ist eher eine Lüge als die Wahrheit?

Vertrauen ist ein, wenn nicht sogar DER, wichtiger Grundpfeiler einer Beziehung. Im Laufe einer Beziehung kann es zu Vorfällen kommen, die die Vertrauensbasis anknacksen. Manche davon wiegen schwerer, manche weniger schwer.

  • Der Partner ist fremdgegangen.
  • Er hatte eine länger andauernde Affäre.
  • Ihm anvertraute Geheimnisse erzählt er weiter, z.B. seiner Ex
  • Er lügt oder verschweigt bewusst Informationen.

Welche davon ein Aus bedeutet und was verzeihlich ist – das kann nur jeder für sich selbst beurteilen.

Es gibt Paare, die nach dem Fremdgehen oder einer Affäre weiter zusammenbleiben. Wenn es gelingt, die Gründe für den Vertrauensbruch aufzuarbeiten und gegenseitiges Vertrauen wieder herzustellen, ist das möglich. Für andere ist es völlig undenkbar, sich nach einem Fehltritt wieder auf den anderen einzulassen.

Entscheidend ist nicht (nur), was vorgefallen ist, sondern ob das Vertrauen grundlegend und nachhaltig erschüttert ist und nicht wieder hergestellt werden kann.

Schließen sich eure Lebensentwürfe gegenseitig aus?

Hinterfrag dich mal ganz ehrlich: Bist du bereits eine Verpflichtung eingegangen oder verfolgst eine Handlungs- oder Lebensweise, die deinen Partner eindeutig ausschließt?

  • Du hast das mega Jobangebot am anderen Ende von Deutschland unterschrieben und er will in der Nähe seiner Kinder bleiben?
  • Deine wunderschöne Zwei-Zimmer-Wohnung mitten in der Innenstadt wird zum Verkauf angeboten und du hast dich als allererstes nach einem Kredit erkundigt?
  • Du hast schon einen Karton voller Kinderkleidung von deiner besten Freundin eingelagert – und dein neuer Freund will auf keinen Fall noch ein Kind?

Diese Handlungen zeigen ganz deutlich, was du willst und was (wen?) nicht. Manchmal sind Taten deutlicher als Worte.

Du möchtest eine bestimmte Lebensweise umsetzen oder verfolgst diese sogar schon? Das Leben deines Partners ist damit unvereinbar? Dann wirst du vermutlich in der Beziehung nicht glücklich werden.

Vielleicht möchtest du dir das ganze noch nicht eingestehen. Wenn es so aussieht, als würde man die Beziehung verlassen und sich auch so verhält, dann verlässt man sie auch. Wenn du ehrlich bist, ist dein Entschluss gegen die Beziehung schon gefallen.

Übrigens, verschiedene Werte zu haben, ist nicht per se Grund zur Trennung. Auch der meiner Erfahrung nach häufigste Streitpunkt im Patchwork, unterschiedliche Ansichten in Sachen Kindererziehung, ist kein unüberwindliches Hindernis. Es ist nur notwendig, darüber miteinander sprechen zu können (s. weiter unten).

Gehen oder bleiben? Wegweiser zeigt in zwei Richtungen

Wann solltest du dem ganzen noch eine Chance geben?

So wie es ist, ist es gerade nicht gut – sonst würdest du dir die Frage „Gehen oder bleiben?“ ja auch nicht stellen. Das heißt, es braucht ein Fundament, auf dem Veränderung stattfinden kann. Diese Basis ist die Verbindung zwischen euch.

Wie lässt sich Verbindung herstellen, erneuern oder erhalten?

  • durch die gemeinsame Vergangenheit und Erlebnisse, die ihr miteinander teilt
  • durch Aktivitäten, die verbinden
  • durch körperliche Nähe
  • durch Kommunikation

Diese Möglichkeiten gehen wir jetzt durch.

War eure Beziehung mal richtig gut?

Denk mal an die Zeit zurück, als es zwischen dir und deinem Partner noch „gut lief“. Würdest du rückblickend sagen, dass damals zwischen euch wirklich alles sehr gut war?

Wie war es wirklich zu Beginn eurer Beziehung? An den ersten Wochenenden? Im gemeinsamen Urlaub? Schau dir Fotos aus den ersten Tagen an. Wie glücklich bist du auf den Bildern?

Oft ist es zu Beginn der Himmel auf Erden, rosarot und voller Geigen (du weißt, was ich meine). Im Patchwork gibt es naturgemäß von Beginn an schon Steine, die im Weg liegen können, in Form von Ex, Kind, Umgangswochenende, Gerichtsverhandlungen und ähnlichen. Aber wie war eure Verbindung zu dieser Zeit? Hattest du das Gefühl, ihr zwei gegen die Ungerechtigkeiten dieser Welt?

Wenn eure Beziehung schon zu ihren besten Zeiten nicht ganz in Ordnung war, ist die Wahrscheinlich hoch, dass sie auch nie sehr gut sein wird. Dann kann das ein Hinweis darauf sein, dass eine Trennung sinnvoll wäre.

Wenn ihr aber eine Basis an gemeinsamen Erinnerungen habt, ist das eine super Voraussetzung. Was mal war, kann auch wieder sein.

Habt ihr gemeinsame Interessen?

Oder präziser formuliert:

Gibt es zwischen dir und deinem Partner trotz aller Probleme noch eine gemeinsame Aktivität, an der ihr beide Spaß habt oder ein gemeinsames Interesse (abgesehen von Kindern), das euch verbindet und zumindest vorübergehend ein Gefühl von Nähe vermittelt?

Kinder können keine Beziehung kitten. Diese Erkenntnis ist für Patchworkfamilien nicht neu, denn schließlich entstehen die erst, wenn es trotz gemeinsamer Kinder eine Trennung gegeben hat.

Wichtig ist die Verbindung. Ein Weg, um diese (wieder) herzustellen, sind gemeinsame Interessen. Habt ihr ein Hobby, das euch verbindet? Damit meine ich eine Tätigkeit, die euch beiden Spaß macht. Bei der ihr euch leicht und lebendig fühlt, zusammen lachen könnt oder einfach die Zeit um euch vergesst. Das kann sein, wenn ihr zusammen tanzt, Fallschirm springen geht oder auch nur jeden Sonntag beim Tatort mitfiebert und über alle Ermittlerduos philosophiert und tratscht. Da ist eine Basis, auf der ihr euch auch wieder annähern könnt.

Vielleicht verliebst du dich sogar neu, wenn du deinen Partner so gelöst, fröhlich und entspannt erlebst und diese Freude auch bei dir im Herzen ankommt? Der Buddhismus spricht hier von Positivitätsresonanz. Geteilte Freude bringt Menschen zusammen und lässt Beziehung entstehen und aufblühen.

Findest du deinen Partner attraktiv und berührst ihn gern?

Würdest du sagen, dass dein Partner grundsätzlich nett, hinreichend intelligent und nicht allzu neurotisch ist und dass er ganz gut aussieht und die meiste Zeit nicht unangenehm riecht?

Diese Formulierung ist ein bisschen überspitzt. Gleichzeitig stecken darin viele grundlegende Eigenschaften und eine Überzeugung:

Man kann einfach niemanden lieben, der geizig, dumm, verrückt und hässlich ist und der stinkt. 

Mira Kirshenbaum

Körperliche Nähe ist ein wichtiger Faktor in Beziehung. Wenn ich meinen Partner absolut unattraktiv, ja seinen Geruch oder seinen Körper sogar eklig finde, ist das ein Kriterium für eine Trennung. Andererseits gibt es in Beziehungen immer wieder Zeiten mit wenig oder sogar ohne Geschlechtsverkehr. Das ist völlig in Ordnung und allein noch kein Trennungsgrund.

Lass dir die Frage einfach mal durch den Kopf gehen und überlege, ob auf dieser Ebene Verbindung eher ermöglicht oder erschwert wird.

Könnt ihr miteinander reden?

Kommunikation ist das Mittel, was uns Menschen zur Verfügung steht, um miteinander Kontakt aufzunehmen. Klar, Mimik und Gestik sowie nonverbale Signale spielen auch eine Rolle. Für tiefgreifende Gespräche, in denen es darum geht, vom anderen verstanden zu werden und den anderen zu verstehen, brauchen wir Worte. Wir müssen ausdrücken können, was in uns vor sich geht.

Viele Paare, die zu mir kommen, fühlen sich von ihrem Partner nicht verstanden. Das geht vielen Menschen so, weil wir einfach nicht gelernt haben, über Gefühle und Bedürfnisse zu kommunizieren. Stattdessen gibt es Vorwürfe, Rechtfertigungen, Rechthaberei und viel „Ja, aber…!“ Die gute Nachricht ist: Das kann man lernen! Entweder für sich selbst oder gleich gemeinsam als Paar (zum Beispiel im Patchwork Power Kurs)

Wichtig ist an dieser Stelle die grundsätzliche Bereitschaft, den anderen verstehen zu wollen. Wenn einer von beiden Gespräche über wichtige Themen blockiert, heißt das nicht gleich, dass deine Meinung ihm egal ist. Es könnte dahinter auch die Angst vor weiteren Streits stecken oder Ratlosigkeit, weil bisher Vorwürfe gemacht wurden.

Du hast viel mehr Möglichkeiten, etwas zu verändern, als du im Moment denkst.

Wie triffst du die für dich richtige Entscheidung?

Gehen oder bleiben – diese Frage ist natürlich individuell zu beantworten. Die Entscheidung liegt immer bei dir. Es gibt aber „statistische Werte“ und Erfahrungen von Therapeuten und Beratern, die Empfehlungen geben können. Ein sehr gutes Buch zu dem Thema ist „Soll ich bleiben, soll ich gehen?“ von Mira Kirshenbaum. (*affiliate link, allerdings mittlerweile vergriffen) Daraus habe ich auch einige der Fragen entnommen.

Ich habe das Buch seit 2008. Damals steckte ich selber in der „Beziehungsambivalenz“. Eine Beziehung, die beides ist: zu gut, um sie aufzugeben, und zu schlecht, um an ihr festzuhalten. Seitdem habe ich das Buch häufig verliehen. Eine Freundin nähte sogar einen Schutzumschlag, weil sie nicht wollte, dass jemand sieht, was sie da liest. 😉

Gehen oder bleiben? Marita hält das Buch hoch
Das Buch „Soll ich bleiben, soll ich gehen?“ mit Schutzumschlag

Ganz oft habe ich das Buch sehr schnell wieder zurückbekommen. Die Entscheidung „Gehen oder bleiben?“ fiel meistens nach wenigen Seiten. Den meisten (auch mir) wurde einfach klar, dass tief drin die Entscheidung schon feststeht. Da sind sachliche Analysen nur noch das Zünglein an der Waage. 2008 habe ich mich von meinem damaligen Freund getrennt – und dann kurz später meinen jetzigen Mann kennengelernt.

Es lohnt sich, beides zu nutzen. Kopf und Bauch.

„Ich liebe ihn“ ist kein Maßstab bei der Frage „Gehen oder bleiben?“

Liebst du deinen Partner noch? Wenn ja, bleib. Wenn nein, dann geh. So einfach ist es eben nicht!

Kopf und Bauch sind sich gerade in dieser Frage ja total uneinig. Deshalb hilft auch der Ratschlag „Hör auf dein Herz!“ nicht, denn dann schaltet sich wieder der Kopf ein.

Wenn du alleine nicht weiterkommst, noch ein Tipp: In einem Coaching kann man beide Stimmen miteinander aussöhnen, so dass die innere Zerrissenheit aufhört.

Brauchst du die Erlaubnis, dich zu trennen?

Wir alle tragen Glaubenssätze und Prägungen aus unserer Kindheit mit uns herum. Vorgelebte oder antrainierte Überzeugungen können so tief in uns verwurzelt sein, dass wir unbewusst danach handeln. Selbst wenn unser Verstand etwas anderes sagt. Diese tief in uns verankerten Verhaltensweisen hatten irgendwann mal eine wichtige Funktion und wollten uns schützen. Heute stehen sie uns aber oft im Weg, weil sie nicht mehr zu den aktuellen Gegebenheiten passen.

Meine Freunde Nina war sehr unglücklich in ihrer Ehe. Schon seit längeren hatte sie keine gemeinsamen Interessen mehr mit ihrem Partner. Jeder machte mehr oder weniger sein eigenes Ding. Gemeinsame Ausflüge gab es höchstens mal mit den Kindern, aber dann schwiegen sich die beiden Erwachsenen an oder stritten wegen Nichtigkeiten. Wann immer wir miteinander sprachen, klang sie unglücklich. Sie freute sich mehr, wenn ihr Mann mal mehrere Tage weg war, als auf den Moment, wenn er wieder nach Hause kam. Zugegeben, es gab keine Gewalt, kein Fremdgehen und keine riesigen Eklats. Aber die Freude und Leichtigkeit war komplett abhandengekommen. Trotzdem hielt sie an der Beziehung fest. Erst als ihr Pfarrer ihr ein Buch über Scheidungen gab, konnte sie sich aus der Beziehung lösen.

Bei dir ist es vielleicht nicht der Glaube, der eine Scheidung gefühlt unmöglich macht. Genauso kann aber der Gedanke an die Oma, der „bis dass der Tod euch scheidet“ immer so wichtig war, der Trennung im Weg stehen. Oder du bist spirituell unterwegs und aufgrund einer Vision oder ähnlichem davon überzeugt, dass dieser Mensch dein Schicksal ist.

Wenn Gott oder ein anderes höheres Wesen (oder deine Mutter) sagen würde, es sei in Ordnung, sich zu trennen, würdest du dich dann ungeheuer erleichtert fühlen, und könntest deine Beziehung dann endlich beenden?

Woran auch immer du glaubst – solange es dir Kraft gibt, es ist hilfreich. In dem Moment, wo dich dieser Gedanke belastet und die Situation noch viel schwieriger macht, darfst du deine Überzeugung getrost ändern.

Eine Münze werfen?!

Kopf heißt, ich trenne mich. Zahl heißt, ich bleibe.

Gehen oder bleiben? Bei dieser Frage hilft ein Münzwurf.
Gehen oder bleiben? Bei dieser Frage hilft ein Münzwurf

Das klingt absurd. Tatsächlich geht es nicht darum, was die Münze tatsächlich anzeigt. Entscheidend ist der Moment, wenn sie in der Luft ist. Was wünschst du dir? Kopf oder Zahl?

Wirf die Münze hoch in die Luft. Wenn du, während die Münze in der Luft ist, hoffen, dass sie „Kopf“ zeigt, hast du dich schon unbewusst für die Trennung entschieden. Du brauchst gar nicht abzuwarten, bis die Münze gefallen ist. Fang sie am besten auf und steck sie wieder ein, ohne zu prüfen, was sie tatsächlich gezeigt hätte.

Wie oben schon gesagt: Oft hat man sich bereits im Unterbewusstsein für gehen oder bleiben entschieden. Mit dem Münzwurf holst du die getroffene Entscheidung vom Unterbewusstsein in das Bewusstsein.

Es geht also nicht darum, den Zufall entscheiden zu lassen. Mit dem Münzwurf kannst du deine eigenen Gefühle spontan überprüfen. Ist die Münze gefallen, merkst du sofort, ob du erleichtert bist, dass nicht die andere Option oben liegt. 

Bauchschmerzen, wenn seine Kinder kommen?

 

Aus Erfahrung weiß ich, wie hilflos man sich als "Bonusmama" fühlen kann. Deshalb habe ich meine besten Tipps VOR, AM und NACH dem Kinder-Wochenende für dich zusammengestellt.
 
Damit du dich endlich wieder aufs Wochenende freuen kannst - egal, ob das Kind da ist oder nicht.

Das hat geklappt!

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